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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 395

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Rudolf Eucken zum Gedächtnis
Date
1926-10-01
Page
395 (sequence 1)
Language
German
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Rudolf Eucken zum Gedächtnis Von Julius Goldstein Unmittelbar vor Abschluß dieses Heftes erhalte ich die Nachricht von dem Tode Rudolf Euckens. Da für eine eingehende Würdigung keine Zeit mehr bleibt, so seien hier einige persönliche Bemerkungen erlaubt Als ich vor nunmehr 32 Jahren nach Jena kam, wurde er mir Lehrer und Freund, und Freund ist er mir geblieben durch alle Wechselfälle dieser drei Jahrzehnte. — Er war niemals ein Schulhaupt Er hat auch keine Lehren hinterlassen, die dogmatisch weiterzuspinnen sind. Und doch war sein Einfluß ^stimmend für diejenigen, die in seinen Lebenskreis traten. Wir, die damals in den neunziger Jahren bei Eucken zusammentrafen — Scheler, Medicus, Leser, Geismar u. a. — wir sind schließlich eigene Wege gegangen. Dennoch bedeutet für die Bildungsgeschichte eines jeden von uns Eucken das entscheidende Erlebnis. Er war ein großer Erwecker; er übermittelte nicht Formeln und Methoden,, er entband in jedem den philosophischen Geist Er achtete die Individualitat und half jedem in nimmermüder verständnisvoller Güte, den Punkt seiner Starke zu finden, damit sich ihm die Arbeit aus den Notwendigkeiten seiner besonderen Lebensproblematik gestalte. Was Schelling von dem Lehrer fordert: „Habe Geist und wisse Geist zu wecken" — Eucken hat diese Forderung erfüllt — In dem Auditorium maximum des alten Jenenser Kolleggebäudes, gegenüber dem Botanischen Garten, lauschten hunderte junger Menschen ergriffen dem freiströmenden Vortrag des Mannes, der leuchtenden Auges und mit plastisch formender Gebärde die Gedankenwelt der großen Denker vor ihnen erstehen ließ. Nicht ein Professor dozierte: ein Mensch sprach, den die Gewalt des Gegenstandes gepackt hatte. Er hatte in den Jahren seiner Kraft die 395

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