Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 377

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Das römische Ghetto
Date
1926-10-01
Page
377 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895464-2897147--01322-2897254
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das römische Ghettox) Von G. Blustein Wir besitzen einen Bericht über die inneren Verhältnisse des Ghettos, den ans ein jüdischer Reisender, Abramo Levi, im Jahre 1724 geschenkt hat. Diese Erzählung ist für ans von großem Werte, denn sie versetzt uns durch die naive Unmittelbarkeit eines aufmerksamen Beobachters in die geistige Atmosphäre innerhalb der Mauern des Ghetto. „Die Hebräer besitzen hier in Rom inmitten der Stadt eine bewohnte Zone, welche man das »Ghetto der Juden nennt Zwei Hauptstraßen und sechs kleine Gassen durchziehen es, fünf Tore, in die Mauern eingefügt, gewähren den Einlaß. Hier wohnen ungefähr 3ooo Juden. Außerhalb dieses Bezirks gibt es tatsächlich keine Jaden, wohl' aber sehr viele Renegaten, die ihrem Glauben untreu wurden. Auch sie wohnen in einem abgesonderten Bezirk, der fünf oder sechs Straßen enthalt, jedoch ohne Mauer. Ihrer gibt es sehr viele, die Zahl 5ooo ist überschritten. In der Tat kommen sie aus allen Ländern hierher wegen der vom Papst gebotenen Prämie, kauft er doch diese Seelen für 100 Skudi Jedem Juden ist es verboten, die von Renegaten bewohnten Straßen zu betreten, damit sie diese nicht etwa überreden, wieder zum alten Glauben überzutreten. Wenn man unglücklicherweise in diesen Gassen, die Catecumeni genannt werden,, dennoch einen Juden findet, so wird er auf das strengste bestraft Darum wird jeder Fremdling ermahnt, sich davor zu hüten. Ich selbst habe, ohne erkannt zu werden, die örtlichkeit flüchtig durchschritten. Die Juden haben hier in Rom, in der besten Gegend der Stadt, am Tiber entlang, einen schönen Besitz. In diesen Straßen gehören ihnen fünf Synagogen, jene alte ausgenommen» *1) Ein Kapitel ai^s dem Buch, von G. Blustein: Stork degli Ebrei in Roma. Autorisierte Übersetzung von M. Marasse. 377

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.