Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Judentum und Humanität
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 366 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentum und Humanität Eine geschichtliche Erinnerung Von Alfred Stern In der Geschichte der Emanzipation der deutschen Juden nimmt ein literarischer Kampf, der sich an den Namen Bruno Bauer knüpft, eine eigentümliche Stellung ein- Bruno Bauer, der von dem rechten Flügel der Hegeischen Schule abgefallene radikalste Vorkämpfer ihrer Linken, dessen philosophische Kritik aller Religion für Gegenwart und Zukunft die Berechtigung absprach und dem Christentum den Krieg erklärte, nahm auch gegenüber dem Judentum keinen anderen Standpunkt ein. In einer Reihe von Artikeln, betitelt „Die Judenfrage", die in Nr. 274—282 (17.—26. November 18^2) der „Deutschen Jahrbücher" kurz vor ihrer Unterdrückung erschienen und bald darauf in einem besonderen, vermehrten Abdruck (Braunschweig, Otto i843) gesammelt wurden, griff er die Verteidiger der Judenemanzipation aufs schärfste an. Er warf ihnen vor, „daß sie gegen die Privilegien kämpfen und in demselben Augenblick dem Judentum das Privilegium der Unveränderlichkeit, Unverletzlichkeit und Unverantwortlichkeit geben". Er stellte die Behauptung auf: „Die Juden sind gedrückt worden, weil sie zuerst gedrückt und sich gegen das Rad der Geschichte gestemmt haben". Er versteifte sich auf den Satz: „Dem Juden ist nur sein Volksgenosse Bruder und Nächster und alle anderen Völker außer ihm gelten ihm und müssen — müssen ihm nach dem Gesetz als unberechtigt und rechtlos erscheinen". Er sah eben hierin „das spezifische Prinzip des gesetzlichen Judentums". Er fand bei einem Rückblick auf die jüdische Geschichte „nirgends und in keinem Verhältnis Sittlichkeit, sittliche Haltung und wahre Humanität". Und er kam 366