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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 361

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
Date
1926-10-01
Page
361 (sequence 14)
Language
German
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Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum 1886), der Begründer und bis heute bedeutendste Vertreter dieser Wissenschaft, war der Schüler von Böckh, Friedrich Aug. Wolf, Savigny und De Wette und wandte die historisch-kritische Methode seiner Meister als erster auf die jüdische Religions- und Literaturgeschichte an.1) Die hervorragendsten Vertreter des Faches nach ihm lebten und arbeiteten in Deutschland (Steinschneider, Abr. Geiger) oder erhielten ihre wissenschaftliche Ausbildung in Deutschland und schrieben deutsch. Erst seit etwa 1900 tritt Amerika und damit die englische Sprache auf diesem Gebiete immer starker hervor. Auffallenderweise aber haben die deutschen Hochschulen und Akademien bis vor kurzem diese Wissenschaft wenig gefördert Erst seit etwa einem Jahrzehnt ist langsam ein Wandel eingetreten. Noch unmittelbar vor dem Kriege hat die Staatliche Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen für ihr großes Unternehmen „Quellen der Religionsgeschichte" eine Bearbeitung der jüdischen Quellen in Aussicht genommen. Das früher nur den Zwecken der Judenmission dienende Institutum Judaicum der Universität Berlin ist 1924 durch seinen Leiter Hugo Greßmann zu einem reinen Forschungsinstitut erhoben worden. Fast gleichzeitig wurde an der Universität Königsberg eine Honorarprofessur für das bis dahin nur durch Lektorate an einigen Universitäten vertretene Fach geschaffen. Wenn jede Wissenschaft schließlich auf das Leben zurückwirken soll, so winkt auch hier ein zurzeit freilich noch in weiter Ferne leuchtendes Ziel: Auf einem Gebiete, wo bisher nur zu häufig Haß und Voreingenommenheit auf der einen und schwächliche Apologetik auf der anderen Seite das Wort führten und ein objektives Urteil unmöglich machten, soll eine von allen Tendenzen befreite, nur die Erforschung der Tatsachen anstrebende wissenschaftliche Behandlung und Betrachtung Platz greifen und zur Versöhnung der Geister beitragen. l) Über sein Hauptwerk „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden historisch entwickeil" (Berlin i832) urteilt G f r ö r e r, daß seit Spinoza kein Jude mehr etwas so bedeutendes geschrieben habe. 361

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