Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 348 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Erforschung des nadibiblisdien Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum Von Felix Perles Das Nachleben und Nachwirken der Antike bildet eines der anziehendsten wissenschaftlichen Probleme und hat darum schon immer Kultur- und Religionshistoriker, Philologen und Juristen besonders beschäftigt Für das Fortleben des römischen Altertums bedarf es gar nicht erst eines besonderen Nachweises, denn seine Spuren treten uns unaufhörlich in den verschiedensten Gestalten sichtbar vor die Augen, sei es in der römisch-katholischen Barche, sei es im römischen Recht oder in den romanischen Sprachen und Kulturen. Daß auch das griechische Altertum nicht erst im Zeitalter der Renaissance wieder zu einer lebendigen Macht wurde, sondern schon in dem vorangehenden Jahrtausend die Kultur befruchtet hat, ist viel weniger bekannt; noch vor einem Menschenalter mußte ein Forscher wie Karl Krumbacher um die Anerkennung der Byzantinistik als selbständigen Lehrfaches einen schweren Kampf führen. Daß aber auch das jüdische Altertum über seine eigene Zeit hinaus schöpferische Kraft besaß und zeitweilig sehr stark auf die Weltkultor eingewirkt hat, ist eine Tatsache, die fast ganz] aus dem Bewußtsein geschwunden ist, und wir brauchen bloß die Vorlesungsverzeichnisse der deutschen Universitäten durchzusehen, um festzustellen, daß zwar das Alte Testament in den theologischen Fakultäten gebührende Pflege findet, jedoch Sprache und Lehre, Literatur and Geschichte des Judentums nach Abschluß des Kanons und speziell seit der Entstehung des Christentums nur äußerst selten in den Lehrbetrieb einbezogen ist Es ist das um so merkwürdiger, als die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem nachbiblischen Judentum schon über ein Jahrhundert alt ist, und in andern Ländern (England, Frankreich, Vereinigte Staaten) längst besondere Lehrstühle dafür bestehen. 348