Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Ist die Rasse veränderlich?
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 338 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Paul Kämmerer: Ist die Rasse veränderlich? ferner für die Losungen der Rassenprobleme nicht von so bedingender Wichtigkeit, solche Unterschiede zu machen. Denn da sie fließend sind, da es an durchgreifenden unterscheidenden Merkmalen fehlt, so müßte, was dabei herauskommt, nur zu oft in die Irre führen. Könnte doch die nämliche Eigenschaft leicht ebensowohl auf erblichen wie äußeren Ursprung hinweisen; der Befund wäre richtig und würde trotzdem denen, die um jeden Preis zwischen erblicher und äußerlicher Herkunft unterscheiden wollten, als Widerspruch erscheinen. Die Fragen werden viel erörtert: Was bestimmt Erscheinung und Charakter des Kindes? Was stempelt den Menschen zum nützlichen Mitgliede der Gesellschaft, zum Verbrecher, zum Genie: Erziehung oder Vererbung; Umgebung oder Vererbung? Diese Fragen sind samt und sonders falsch gestellt Auf unrichtig gestellte Fragen gibt es keine richtige Antwort Deshalb führen die beliebten Erörterungen niemals zu einem befriedigenden Endergebnis. Immer wieder entgeht es den Diskutierenden, daß es heißen muß: Erziehung- und Vererbung, Umgebung und VererbungI Aber nicht als einfache Summe, wobei Erlebnisse und Erfahrungen dem Erbgut lose addiert werden, um sich beim Tode des Individuums wieder voneinander zu scheiden. Vielmehr bilden Ahnenerbe und Erlebnisse ein untrennbares Produkt, eine Legierung, wobei Erbanlage wird, was Erfahrung und Erziehung eingehämmert haben, — gewiß nicht in fertiger Gestalt, aber doch eben als „Anlage", Neigung, Fähigkeit Noch radikaler ausgedrückt: es gibt kein absolutes, primäres Erbgut Sondern was wir in grober Analogie mit dem äußeren Erbe materieller Besitztümer so nennen, ist nichts als organischer Niederschlag der Erfahrungen: von all jenen erlebt und zusammengetragen, die vor uns kamen und von denen wir abstammen. 338