Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 328

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Ist die Rasse veränderlich?
Date
1926-10-01
Page
328 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895464-2897142--01268-2897205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Paul Kammerer und wiederholtes, übermäßiges Nachwachsen ihrer Endröhren entsteht eine Form mit elefantenrüsselartigen Röhren; solche wachsen den Nachkommen schon von selbst, ohne daß Amputationen und darauffolgende Regenerationen hierzu nötig wären. Es darf nicht meine Absicht sein, weitere Belege für Vererbung erworbener Eigenschaften im Rahmen vorliegenden Aufsatzes herbeizuschaffen. Denn wirkliche, direkte Beweise sind nur durch Zuchtversuche anTieren und Pflanzen zu erbringen; an dieser Stelle möchte ich aber lieber auf Anzeichen eingehen, daß menschliche Bevölkerungen sich darin ebenso verhalten wie tierische und pflanzliche Populationen. Der Mensch ist der experimentellen Vererbungsforschung, dem Zuchtversuch, unzugänglich. Trotzdem dürfen wir unbedenklich Regelmäßigkeiten, die an Tieren und Pflanzen beobachtet werden, durch Analogieschluß auch für den Menschen voraussetzen; besser, wir dürfen uns beim Menschen, wo zwingende experimentelle Beweise nun einmal nicht zu holen sind, mit unvollständigeren Indizien begnügen, falls sie mit denen übereinstimmen, die wir der untermenschlichen Lebenswelt abgewannen. Übereinstimmung des Wesens ist aber — bei aller Verschiedenheit des Grades — stets vorhanden; denn mindestens die lebende Natur (wenn nicht die Gesamtnatur) ist eins: für alle Lebewesen — ob hoch, ob niedrig — gelten die nämlichen Grundgesetze. Gerade im Gebiete der Vererbungslehre ist dies schlagend — und von niemandem bestritten — durch die Regeln dargetan, nach denen sich ererbte Eigenschaften; weiter vererben: Verexbungsregeln, die — wie bereits erwähnt — von Mendel bei Pflanzen entdeckt wurden und sich durch das ganze Tierreich einschließlich des Menschen als gültig erwiesen. Wenn es außerdem eine Vererbung erworbener Eigenschaften gibt: sollte ihre Verallgemeinerung nicht in derselben Weise statthaft sein wie die der Vererbung ererbter Eigenschaften? Daß es Vererbung erworbener Eigenschaften gibt, dafür ist das an Tieren und Pflanzen gewonnene Beweismaterial sogar überwältigend groß. Ich stehe mit Zuchtergebnissen, von denen die Vererbung erworbener Eigenschaften bejaht wird, nicht etwa allein da, wie meine Gegner glauben machen wollen. In meinem Buch „Neuvererbung" x) habe ich fremde und eigene Belege zusammengestellt, ferner in zwei besonderen, zusammenfassenden Kapiteln Tatsachen, die zugunsten der!) Stultgart-Heilbronn, bei Walter Seifert, 1Q25. 328

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.