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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 314

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-08-01
Page
314 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen Dr. Paul Mazura: DieEntwicklung des politischen Katholizis-' mus in Schlesien von seinen Anfängen bis zum Jahr 1880. Verlag vonM.&H.Marcus, Breslau 1925. S. Die vorliegende Arbeit schildert in dankenswerter Weise die politische Mobilisierung der katholischen Bevölkerung Schlesiens seit i8&8 und liefert dadurch nicht nur einen Beitrag zur Geschichte unsres Parteiwesens, sondern auch der deutschen Demokratie. Denn diese Bewegung, die aus kleiasten Anfängen innerhalb zweier Jahrzehnte dank der Rührigkeit katholischer Führer im Klerus und Laienstand, mehr aber noch dank der Fehler und der Verblendung der preußischen Regierung und des nichtkatholischen Adels und Bürgertums zu gewaltigem Umfang anschwillt, ist wirklich demokratisch. Sie hat die Grandenherrschaften in Oberschlesien im ersten Ansturm weggefegt. Sie war, obwohl sie sich später einmal den Namen christlich-konservativ beigelegt hat, nie im unklaren, auf wessen Seite sie ihren Gegner zu suchen hat, sowohl wenn ihr führendes Blatt als einzige Zeitung in Breslau die Veröffentlichung des konservativen Wahlrufs nicht einmal im Anzeigenteil gestattete, wie wenn die Schlesische Volkszeitung 1878 für den mit dem Nationalliberalen in Stichwahl stehenden Sozialdemokraten eintrat. In der absolutistischen Epoche war der Katholizismus widerstandslos den Fürsten ausgeliefert und es mußte erst die demokratische Welle über Europa .gehen, bis er sich auf seine Kraftquellen besann. Friedrich der Große suchte den Gymnasialbesuch der Katholiken durch eine Verordnung an die Steuerräte einzuschränken, wonach die Kinder der Bauern, Gärtner und schlichter Leute katholischer Religion nicht weiter so häufig als bisher studieren und sich besonders nicht dem geistlichen Stand widmen sollen. Soweit sie einen Lizenzschein zum Besuch der Lateinschule erhalten haben, soll „desgleichen Subjekten mit Lizenzscheinen weiter nichts als die vier ersten Klassen zu besuchen vergönnt sein". Nachdem man so planmäßig den katholischen Mittelstand vernichtete, war es ein Leichtes, später die Inferiorität der katholischen Bevölkerung darzutun. Als dann die katholische Bevölkerung zu politischem Leben erwacht war, glaubte man mit ähnlichen Methoden ihrer Herr werden zu können. Es ist kein Ruhmesblatt in unserer parteipolitischen Geschichte, daß das Bürgertum, und gerade auch das liberale, im Kulturkampf auf seiten einer Regierung stand, die nicht so sehr eine religiöse Weltanschauung, als vielmehr die erwachende Demokratie im katholischen Volksteil treffen wollte. Dort war die Demokratie nicht staatsfeindlich, und gerade deshalb fürchtete die auf ihre autokratischen Rechte besorgte Regierung, sie könne sich ihr gegenüber durchsetzen. Um die Macht des Zentrums zu brechen, scheute man nicht vor der brutalsten Wahlbeeinflussung. Beamte wurden gemaßregelt, zahlreiche Arbeiter entlassen, Katholiken aus den Kriegervereinen ausgeschlossen. In Kattowitz-Zabrze wurden die Arbeiter truppweise von ihren Aufsehern zur Wahl geführt, die Zettel ihnen erst vor dem Wahllokal eingehändigt und dann wurden sie zu vieren zur Wahlurne begleitet. Man soll alte Wunden nicht wieder aufreißen. Aber der Geist, der sie geschlagen, lebt weiter und was gestern den Katholiken angetan wurde, kann morgen einem andern Volksteil zugefügt werden, wenn er >sich nur zu gewissen gesellschaftlichen Schichten in Widerspruch findet. Diese Schichten leben in einer geistigen Verfassung, 314

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