Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Aus Herford's neuestem Werk über die Pharisäer [Rezension]
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 311 (sequence 1)
- Language
- German
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Aus Herford's neuestem Werk über die Pharisäer Von Felix Perles In der nunmehr schon auf ein volles Jahrhundert zurückblickenden Wissenschaft vom Judentum, ist die eigentliche Religionsgeschichte im Gegensatz zur äußeren Geschichte und Literaturgeschichte auffallend zu kurz gekommen. Die Erklärung dafür liegt, wie anderwärts1) ausgeführt, in der Tatsache, daß die Religionsgeschichte im streng-wissenschaftlichen Sinne des Wortes nur dort blühen kann, wo die Religion schon Geschichte geworden ist. Das Judentum gehört aber für seine Bekenner wie für seine Umwelt noch nicht der Geschichte an, so daß es für seinen Darsteller schwer ist, die richtige Distanz zum Gegenstande zu finden, auch wenn man — was ja leider häufig nicht der Fall ist — über das nötige wissenschaftliche Rüstzeug verfügt. Unter den wenigen Gelehrten, die alle erforderlichen Eigenschaften mitbringen, steht in vorderster Reihe R. Travers Herford, der schon seit Jahrzehnten in einer Reihe von VeröffentUchungen2)wertvolle Beiträge zur jüdischen Religionsgeschichte geliefert hat. Einige davon sind auch ins Deutsche übersetzt, so sein 1912 erschienenes Buch über das „Pharisäische Judentum in seinen Wegen und Zielen", das als erste von christlicher Seite unternommene Ehrenrettung der seit dem Neutestamentlichen Zeitalter verfehmten Pharisäer geradezu eine sittliche Tat bedeutet.!) Archiv für Religionswissenschaft XVI (1913) 58o. *) Wegen aller biographischen und bibliographischen Daten vergl. meine „Jüd. Skizzen" 2. Aufl. (Leipzig 1920) 121—128. Das heute zu besprechende Werks) stellt nicht etwa nur eine etwas erweiterte Neuauflage dar, sondern ist formell und inhaltlich vollkommen neu gearbeitet. Während das frühere Werk aus Vorlesungen hervorgegangen war, bietet Herford hier eine wissenschaftliche Abhandlung, die die Probleme weit gründlicher erörtert und sich auch mit der Kritik der Quellen eingehend beschäftigt. Der behandelte Stoff ist viel reicher, so enthält das Werk zwei wichtige Abschnitte über „Die Pharisäer und die Synagoge" und über „Das Verhältnis des pharisäischen Judentums zum apokryphischen Schrifttum". Es wäre zu wünschen, daß das durch Ideenreichtum und Wärme der Darstellung ausgezeichnete Buch bald auch in deutscher Übersetzung erscheine. Nachstehend seien als Probe einige besonders schöne und charakteristische Stellen mitgeteilt. •Synagoge und Tempel (S.88ff.) „Eine Synagoge gab es in jedem Dorfe, während es nur einen Tempel in Jerusalem gab. Solange der Tempel stand, war er freilich der sichtbare Ausdruck der' Religion des ganzen Volkes. Doch die Synagoge war der Ausdruck der Religion für die Juden, wie sie dieselbe Tag für Tag und Woche für Woche erlebten, nicht kollektiv als Nation, sondern als Freunde und Nachbarn, die im gleichen Dorfe oder Landstrich wohnten. Der Tempel war der Altar, die Synagoge war der Hera, und das heilige Feuer brannte auf beiden. Mit dem Fall des Tempels, erlosch das Feuer auf dem s) The Pharisees 248 p. London: George Allen and Unwin Ltd. 1924. 20»