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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 290

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1926-08-01
Page
290 (sequence 10)
Language
German
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B. Jacob: Abraham der Zahl der Feinde gefragt worden. Andere Anstöße beruhen auf exegetischen Mißverständnissen. Von zeitgenössischer Berichterstattung kann freilich nicht die Rede sein. Das Gedächtnis jener Herrscher lebt noch fort, aber nur noch undeutlich wie das der Gotenkönige im Nibelungenliede. Insoweit wirkliche Geschichte zugrunde liegen sollte, was nicht bestritten, aber auch nicht bewiesen werden kann, besteht die Darstellung in einer Verklärung, die weit von den Ereignissen abliegt Von einer nachexilischen Abfassung darf jedoch nicht gesprochen werden. Sie stünde schon mit der Geschichte des Pentateuch in Widerspruch. Ein Hauptmotiv der Erzählung ist wieder die moralische Eroberung der Nachbarvölker Ammon und Moab, besonders des letzteren. Ihnen soll zu Gemüte geführt werden, was Israels Stammvater an dem ihrigen getan hat Er hat ihn aus der Urheimat mitgenommen, hat ihm neidlos den Platz geräumt, ihn aus der Gefangenschaft befreit. D>ie Tendenz ist also durchaus „pazifistisch". Am Schluß aber steht Abraham mit reinen Händen da, hochgesinnt, uneigennützig, nach allen Seiten sorgend und großmütig ein „Mann mit großer Seele", wie der Grieche sagt „Ich erhebe meine Hand zum Ewigen, dem höchsten Gotte, dem Eigner des Himmels und der Erde, ob ich auch nur das Geringste nehme, es sei Faden oder Schuhriemen! Damit du nicht sagest: ich habe den Abraham reich gemacht" Dabei fehlt auch ein leiser Humor nicht Der Segen Malkizedeks — notabene nach dem Siege — ist nichts anderes als eine Bitte um Bakschisch (erlaube, daß ich mich vorstelle: ich bin nämlich ein Priester des höchsten Gottes, den ja auch du verehrst . . ., was aber Abraham deutlich zurechtstellt). Und sogleich meldet sich auch der König von Sodom. 290

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