Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 282 (sequence 2)
- Language
- German
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B. Jacob segnen". Aber was braucht Abraham noch den Segen anderer, nachdem ihn Gott gesegnet haben wird? Wenn der Mensch segnet, so bedeutet das doch nur, daß er dem Anderen das Gute von Gott anwünscht, aber wenn Gott segnet, so ist damit das Gute auch tatsächlich verliehen. Daß aber Gott denen, die Abraham segnen, bloß dafür schon alles Gute verleihe, erscheint uns fast zuviel gesagt Aber offenbar bedeutet hier „die dich segnen" etwas anderes als ihm das Gute wünschen. Einen Großen „segnen" heißt: ihn freudig bewundernd als gottbegnadet anerkennen, in ihm ein Vorbild sehen, ihm gleichen mögen, mit anderen Worten: sich selber segnen. Ein solches Nachstreben ist eben schon Gottes Segen. Verehren macht verehrungswürdig. Du gleichst dem Geist, den du verehrst So wird Abraham „Segen", d. h. ein unmittelbarer Segensquell, seine Würdigung ein Maßstab für Edel und Gemein. Abraham soll alles verlassen, was dem Menschen lieb sein kann, also muß es unmöglich gewesen sein, daß er die ihm gestellte Aufgabe in den alten Verhältnissen erfülle. Babylonien war am Anfang des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung, wohin wir Abraham zu setzen haben, das Land einer hochgesteigerten Kultur — war Abraham doch auch Zeuge des Turmbaues von Babel gewesen — aber die religiöse Wahrheit muß in Gefahr gewesen sein, verloren zu gehen. Der Vater war ein Götzendiener, wenn auch, wie wir später erfahren, in der Familie des Bruders der Glaube an den wahren Gott nicht erloschen war. Denn es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß erst Abraham den wahren Gott, sei es in schwerer Gedankenarbeit oder in seelischem Ringen oder durch eine Erleuchtung entdeckt habe. Wenigstens ist dies, im Gegensatz zu der landläufigen Theorie, nicht die Anschauung der Bibel. Nach ihr ist der Ewige bereits der Gott Sems, schon Noah und Henoch wandelten mit ihm, und sogar mit Adam hat er schon gesprochen; die Wahrheit war also am Anfang und der Irrtum eine Entartung. Die weltgeschichtliche Tat Abrahams wird dadurch mit Nichten geschmälert Der Wille zu Gott macht seine Größe. Und es ist mindestens nicht leichter, eine alte verkannte und unzeitgemäße Wahrheit festzuhalten und selbst gegen die Nächststeihenden auf die Gefahr eines Bruches hin zu verteidigen, als eine neue reizvolle zu predigen. Wir haben hier ferner das erste Beispiel, daß die Religion nicht aus der Kultur sondern in der Opposition gegen sie oder ihre Auswüchse entsteht Daß aber die Thora in der Geschichte Abrahams den falschen Glauben des Vaters mit Schweigen übergeht, ist gewiß im Sinne des Sohnes. Genug, daß er Gott nie den Gott seines Vaters nennt 282