Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3 (August 1926)
- Article
- Die Qabbala als rationales System
- Date
- 1926-08-01
- Page
- 277 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Qabbala als rationales System keit; unter Empfinden die Vereinigung von Größe und Stärke, von Qualität und Quantität Die drei unteren Sefiroth bilden das Reich der Natur. In ihm ist der „Sieg" (Nesah) und die „Pracht" (Hod) das Vermögen der Entwicklung, das Prinzip der Kraft, während die „Basis" (Jesod) die ursprüngliche Einheit der Substanz bedeutet Die unterste Sefira, das „Reich" (Malkhuth), umkleidet die drei vorangehenden mit Materie; dadurch daß sie sich mit der mittleren Sefira des Reichs der Seele verbindet, entstehen die Kräfte der Schöpfung und Formung. (Vgl. E. Bischoff, Die Qabbala und jüd. Mystik.) Aus allen diesen Sefiroth entstehen die vier qabbalistischen Welten: 1. die Welt der Sefiroth oder der ersten Ausstrahlungen des En-Sof ('Olam asiluth), 2. die Welt der Schöpfung, der Urform oder bildenden Kräfte ('Olam beri'a), 3. die Welt der Formung, der Urbilder des materiellen Einzeldaseins ('Olam jesira) und 4die Welt der Seelen, der Erscheinungen, des Materiellen ('Olam 'asijja). Jede Welt hat ein Vorbild in der vorangehenden höheren. Also beeinflussen sich die Welten gegenseitig, so daß der Mensch imstande ist, aus dem Bereiche einer niederen Welt in den der höheren zu gelangen. Diese Auffassung führt uns zur Psychologie und zur Ethik der Qabbala. Die Seele besteht nach dem Zohar aus drei Teilen: der erste ist die vernunftbegabte Seele (Nesc/iama), der zweite die empfindende Seele (Ruah), der dritte die vegetative, den Körper belebende Seele (Nefesch). Diese Dreiteilung entspricht den drei Hauptgruppen der Sefiroth, in denen sie ihren Ursprung hat Auf sie gründet sich die schon im Talmud bekannte Präexi6tenzlehre, die sich bei Plato, den Indern und im Christentum findet Nach der Fassung des Menahem ben 'Asri el führt di3 Seele schon von vornherein ein selbständiges Dasein; damit sie sich vervollkommnet, wird sie in einen Körper eingeschlossen. Wenn eine Seele in der Präexistenz nicht vollkommen werden kann, so vereinigt sie sich mit einer vollkommeneren und wird dadurch vollkommen.1) Der Zustand, in dem die Seele in reinster Vollkommenheit über die anderen Kräfte verfügen kann, ist *) Im Gegensatz zu den Indern behaupten die Qabbalisten, daß die Seele nur dreimal von «einem Körper zum zweiten wandert mit Anspielung auf Job. 33, 39. 277 18