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Der Morgen · 1926-08-01 · Heft 3 (August 1926) · p. 259

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 3 (August 1926)
Article
Religiöse Not
Date
1926-08-01
Page
259 (sequence 1)
Language
German
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Religiöse Not Von Gustav Löffler L Man lebte auch in weiten jüdischen Kreisen Deutschlands jahrelang der beruhigenden Hoffnung, daß nach der Katastrophe des Weltkrieges in der Jugendbewegung ein neues Leben aus dem Geiste, eine neue Verlebendigung religiösen Fühlens und Formens und damit der Beginn der Überwindung unser aller religiöser Not anhebe. So fanden auch bei uns Gedanken Widerhall, die da meinten, die Jugend sei kraft ihres Jungseins berufene Trägerin lebendiger Religion, ihre „Unbedingtheit" in vielen Lagen des Alltags mache sie auch fähig zur Hingabe an Gott Es gibt auch heute noch Gläubige, die das Stillerwerden um die Jugendbewegung keineswegs als erlahmende Kraft der Bewegung selbst gedeutet wissen wollen, vielmehr es als ein bedeutsameres Wirken in tieferer Schicht erachten. Schauen wir nun aber ohne Verzückung, doch mit dem Blick der Liebe auf den seitherigen Ablauf der Jugendbewegung, so darf wohl gesagt werden, daß im religiösen Bereiche die Kraft der Jugend und ihr Formungswille scheiterte, ja scheitern mußte. Wir sehen — von der großen Anzahl der Geführten nicht zu reden — bei den meisten „Führern" bewegter Jugend immer deutlicher die Neigung zum Problematisieren, zum Tüfteln über Begriffe, die mit gelebter Religion nicht allzuviel gemein haben, ganz wie bei dem Geschlecht der Reifen. Wir merken ein mitunter rührendes, zuweilen aber ärgerliches Unvermögen, für das Verströmen eines oft nur vagen „religiösen Gefühls" überkommene Formen der jüdischen Gemeinschaft zu benutzen, oder aber neue Formen zu bilden. Wir nehmen den gleichen Mangel an Verständnis für die seelische Qual des Nächsten wahr und darum die gleiche Unfähigkeit zur umfassenden Gemeinschaft, — ganz wie bei den „Alten", zu deren Gruppen sie nur allzu bald sich durch- 259

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