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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Die Schriftzeichen vom Sinai und das Problem der "heiligen" Schrift
Date
1926-06-01
Page
187 (sequence 6)
Language
German
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Die Schriftzeichen vom Sinai und das Problem der „heiligen" Schrift Mit einem ungeheuren Aufwand von Argumenten verfocht Buxtorf seine These vom Alter der Punktation, die jene Unzulänglichkeit der vokallosen Schrift beheben und, da sie bis in die Zeit des Esra zurückreichen sollte, den Text, das Wort Gottes, in reiner Form gewähren sollte. Von den Gegenargumenten des Capellus interessiert hier kaum eins, da sie zumeist dem philologischen Schulbetrieb mit seiner textkritischen Methode entstammen. Nicht ihrethalben, sondern der neuen Innervation wegen wird hier überhaupt dieses Streites gedacht1) Denn hier kündigt sich im Kampf mit dem dogmatisch-starren, auf die ununterbrochene Kette der Tradition bauenden Sinn Buxtorfs, des katholisierenden Lutheraners, der welterschlossene Protestantismus eines neuen Menschen an, der seines Glaubens gewiß ist Nicht durch die Subtilitäten der Masora wird für Capellus die Schrift zu einer heiligen vervollkommnet und in der Tat macht alle Punktation die Schrift ja nur vollkommener, aber sie macht nichts Vollkommeneres aus ihr als Schrift, sondern aus ihr selbst heraus fühlt er die ungetrübte Flamme heiligen Feuers hochschlagen. Es ist mehr als drei Generationen vor Dufresnoys maiestas gravis et requies decora, i5o Jahre vor Oeser, Winkelmann und Goethe, daß an den „einfältigen und planen Geschichlserzählungen" der Bibel, deren einige wir in unsere Darstellung verflochten haben, dem Kämpfer für die innere Bezeugung des Geschriebenen trotz Unzulänglichkeit der Rede und der Schrift das Kriterium aller darstellerischen Echtbürtigkeit faßbar wird, das jenen späteren Geschlechtern am Griechentume aufging: Aperta simplicilas cum pari majestale conjuncta, das heißt: Edle Einfalt und stille Größe! x) Capellus in Arcanum punctationis revelat. ed. Erpen. 1624, Buch I, cap. i3, S 10. 187

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