Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- Goethe und die Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 181 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Goethe und die Juden Jugend ganz abgesehen) in seiner sozialen Einstellung Elemente besaß, die ihn. skeptisch, zuweilen selbst feindlich gegen die staatliche Judenemanzipation machten. Es ergibt sich aber nicht minder deutlich, daß hier wie überall die Solidarität des Menschlichen für ihn die alles beherrschende Macht blieb, daß völlig Nichts ihn hindern konnte, wirkliche Werte, wo er sie im jüdischen Menschen traf, rückhaltlos und dankbar aufzunehmen und anzuerkennen, daß er jeder generellen Herabsetzung oder Mißhandlung der Juden feind war, und daß er auch für den individuellen Wert der historischen Gesamtpersönlichkeit des Judentums ein sehr lebendiges Gefühl besaß. — Wie außerordentlich zufrieden könnten die Juden im heutigen Deutschland sein, wenn die besonderen Erfordernisse der Zeit durchseelend, der Geist Goethes zur Macht gelangte auch in den sie betreffenden Lebensregionen des Volkes. Dies bliebe hier wie überall ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Demi darum handelt es sich: „Das Auge licht sein zu lassen" — unverblendet durch Theorien, Dogmen, Vorurteile irgendeiner Art die lebendigen Dinge anzuschauen, mit dem göttlichen, natürlichen, dem wahrhaft menschlichen Sinn in unserer Brust So zu denken und zu handeln, wie der Gott, den Goethe nach seinem Ebenbilde schuf: Will er richten, will er schonen, Muß er Menschen menschlich sehn. 18t 12