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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 165

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Goethe und die Juden
Date
1926-06-01
Page
165 (sequence 1)
Language
German
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Goethe und die Juden Von Julius Bab (SAluß) IV. Wenn Goethe in den entscheidenden Jahren seiner Kindheit den Juden fast noch in der unveränderten Form kennen lernte, wie die geschlossene christliche Gesellschaft des Mittelalters sie geprägt hatte, so war doch bei seiner Geburt schon lange an der Arbeit der Geist der Aufklärung, der diese geschlossene Welt allenthalben sprengen wollte, und der denn auch in Goethes Mannesjahren bereits die Judenemanzipation in Angriff nahm. Nun ist Goethes Verhältnis zur Aufklärung in ihrer ganzen Breite, ein sehr kompliziertes. Die geistig revolutionären Elemente, die sie in sich trug, die Beseitigung hundertfachen Aberglaubens und dumpfen, Geister bindenden Drucks, ihre ganze Frontstellung gegen das orthodoxe Christentum, war seinem Wesen gemäß und namentlich in jungen Jahren fühlte er sich ihr vielfach verbündet Darüber hinaus ist der Antrieb zu geistiger Bewußtheit, zu planvoll messender Besonnenheit, zu praktischer Verwirklichung, all diese hellen Triebe, die die Erziehung in der überaus wachen Luft der Aufklärungszeit in ihn gesenkt hat, eine höchst wesentliche Bildungsmacht seines Lebens gewesen, unentbehrliches Gegengewicht gegen die dämonisch dunkeln, im Unbewußten treibenden Gewalten seiner Natur. Aber zugleich und vor allem waren ja nun in Goethe eben jene Kräfte lebendig, durch die er der Held eines neuen Zeitalters werden sollte, bestimmt, die triumphierende Aufklärung zu entthronen. Was in der „Empfindsamkeit" und in „Sturm und Drang" durch Goethes Genie zu siegreichster Entfaltung gelangte, das waren ja eben die überverständigen Mächte des Herzens, die unter dem Bannerwort: „Gefühl ist alles" die Welt anders als durch Aufklärung 165 11

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