Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- Erwägungen zu "Nathan dem Weisen"
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 147 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895459-2895462-2896853--01040-2896911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erwägungen zu „Nathan dem Weisen" Von Robert Arnold Fritzsdie Sola sublimis et excelsa virtus est, nec quicquam magnum est nisi quod simul placidum. (Die Tugend allein ragt zum Erhabenen auf, und es gibt keine Großheit ohne Sanftmut.) Seneca dial. III, 21, 4. L In Pascals „Pensees" III, 81) steht ein schroffer Satz: „Verhaßt ist uns die Wahrheit und wer sie uns sagt" Als die Wurzel dieses Hasses wird die Eigenliebe bezeichnet: „Zum Wesen des menschlichen Ich gehört es, nur sich selbst zu lieben und nur auf sich Rücksicht zu nehmen." Also wäre das Ich der gewollten Unwahrheit, der Lüge verschrieben! Aber wenn ich die Wahrheit haßte, müßte ich dann nicht mir selbst zuwider sein? Oder wenn sich trotzdem meine Eigenliebe erhielte, müßte sie nicht immer da zu Schaden kommen, wo ein anderer mich des Irrtums überführt? Die Eigenliebe selbst braucht Wahrheit in ihrem Haushalt, braucht Einstimmigkeit im Bezirke des Ich. Aber wohl nur von Fall zu Fall, nicht die ganze und nicht stetig die Wahrheit? Auch bedeutet jenes Zugeständnis des Ich noch nicht Zuneigung, geschweige denn "Liebe; der Haß als Grundstimmung könnte unvermindert, ja durch ein halbwilliges Anerkennen erst recht entfacht daneben beharren. Recha sagt (I, 2): „Mein Vater! Wenn ich irr', Ihr wißt, ich irre Nicht gern."!) Ich zitiere nach der alten Kapiteleinteilung und nach den Paragraphen der bei Charpentier (ohne Jahr) erschienenen Ausgabe. 147