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Der Morgen · 1926-06-01 · Heft 2 (Juni 1926) · p. 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1926)
Article
Henri Franck
Date
1926-06-01
Page
145 (sequence 5)
Language
German
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Henri Franck appelle la France" *) — sich geborgen dünkt; dem dann auch diese festgeglaubte Sicherheit entschwindet, weil Frankreich seinen beiden großen Glaubenstraditionen: der Kirche und der Revolution, untreu geworden ist; der sich endlich bescheidet, stofflose Flamme zu sein, Freudenfeuer an einer Straßenkreuzung: Je voudrais seulement enumerer le monde; Je suis un feu de joie au cceur d'un carrefour. Je suis un des relais oü Dieu s'est arrete; Le temps qu'il tournera autour de ma clarte, Que j'entende des pas, des rires et des voix, Que des passants nombreux s'approchent de ma vie. Ii faut beaucoup m'aimer, il faut aimer du feu La nature mobile et le coeur courageux. Henri Franck war stolz auf sein Judentum, die „race royale". Er beglückwünscht einen Freund zum Antritt seines Schulamts „in einer Epoche, wo es so interessant ist, gleichzeitig Geschichtslehrer, Jude und Franzose zu sein".2) Interessant — aber auch wie konfliktreich. Henri Franck scheint sich der Konflikte nicht ganz bewußt geworden zu sein, die in seiner Position lagen. Freilich: sie war nicht auf den Felsen Zions gegründet, sie war Flamme am Kreuzweg. Franck konnte den Glauben Israels nicht mehr annehmen: Israel est mort d'avoir donne un Dieu aii monde.3) Aber hätte dann der junge Sucher aus dem alten Stamm nicht die Frage nach diesem Gott stellen sollen, den Israel der Welt geschenkt? Der Entscheidung: für oder gegen Christus, ist Franck ausgewichen wie alle Modernen4), die Religiosität, aber keine Religion haben. Auch dem Zionismus, sei es als nationalem Messianismus, sei es als Aktion, sei es als religiösem Mythos, hat sich Franck nicht angeschlossen. Er übertrug seinen Patriotismus auf sein Adopliwaterland Frankreich. Vielleicht wirkte dabei, kaum bewußt, die Analogie zwischen Israel und Frankreich mit: beide hatten das heilige Erbe ihres Glaubens nur noch als adlige Vergangenheit im Bewußtsein. Beide waren aus der Grottgläubigkeit in den Rationalismus hinübergetreten. Franck scheint manchmal zu glauben, daß eben darum 1) Briefe S. 187. 2) Briefe S- 25g. 3) La Danse devant 1'Arche 75. *) Nach der Artung Francks. (Der Herausgeber.) 145

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