Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- Henri Franck
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 141 (sequence 1)
- Language
- German
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Henri Franck Von Ernst Robert Curtius Henri Franck (1888—1912) war eine der reinsten Gestalten jener Jugend, in der Frankreichs neue Geistigkeit vor dem Kriege ihren Widerhall fand.1) Seine dichterischen und kritischen Fragmente waren 1912 erschienen2), einige Briefe 1914 in der Nouvelle Revue francaise veröffentlicht Jetzt erscheint eine umfangreichere Sammlung davon, eingeleitet durch eine lange und liebevolle Studie von Andre Spire.3) Es scheint, daß man sich heute wieder jener an geistigem Gehalt, an neuem Wachstum so reichen Epoche zuwendet, die Frankreich in den letzten acht oder zehn Jahren vor dem Weltkrieg erlebte. Peguy, Claudel, Suares finden wieder Leser, eine neue Generation von Lesern und Bewunderern. Daß uns das Bild Henri Francks wieder nahe gebracht, daß neue Dokumente seines Lebens uns zugänglich gemacht werden, fügt sich in diese Bewegung sinnvoll ein. In Wirklichkeit war Henri Franck wie vergessen. Er lebte im Bewußtsein einer geistigen Elite. Die ihn noch gekannt, bewahrten pietätvoll sein Bild. Für die Jüngeren verkörperte er die Idealgestalt, des früh entrafften Dichters, des Gläubigen einer neuen Gemeinschaft Die geistige Erneuerungsbewegung im Judentum, die seit 1925 ein französisches Organ in der ausgezeichneten „Revue Juive" hat, sieht in ihm einen Vorläufer. Henri Franck war, wie Andre Spire sagt, eins der ersten4) Beispiele eines französischen Schriftstellers, der sich zugleich als Franzose und als Jude empfand und diesem Empfinden Ausdruck lieh. 1) Vgl. meine „Literarische Wegbereiter des neuen Frankreich", S. 21 f. -) „La Danse devant l'Arche", im Verlage der Nouvelle Revue francaise. 3) Lettres ä quelques amis, Henri Franck, precedees d'une preface par Andre Spiro, Paris, Grasset, ig2Ö. *) Andre Spire selbst hatte als Vierziger sein Erstlingswerk „Versets" 1908 veröffentlicht. 141