Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1926)
- Article
- Salomon Maimon
- Date
- 1926-06-01
- Page
- 119 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Salomon Maimon Von Sophie Cassel Die deutsche Judenschaft, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter der Führung Moses Mendelssohns von der Knechtschaft auch des geistigen Ghettotums freigemacht hatte, war bald weit über ihre eigene, jüdische Interessensphäre hinaus zu einem bedeutenden Faktor des Geistes- und Gesellschaftslebens Deutschlands überhaupt geworden. In dieser Zeit ihrer kulturellen Neuformung tauchte unter den deutschen Juden ein Mann auf, der — wörtlich — eben erst dem ostjüdischen Ghetto entlaufen war. Er kam aus Nieswiesz einem polnisch-litauischen Stadtchen und nannte sich Salomon ben Josua.2) Dieser Salomon ben Josua ist der unter dem Namen Salomon Maimon3), bekannt und schon nach wenigen Jahren seit seiner Ankunft in Deutschland berühmt gewordene Schriftsteller und philosophische Kopf, dessen Scharfsinn und Tiefe des Denkens einen Kant zu begeistertem Lobe hinrissen, von dessen merkwürdigem Lebensschicksale die Kunde bis nach Weimar und Jena drang und in Goethe den Wunsch erweckte, diesen polnisch-jüdischen Faust in seinen Kreis zu ziehen. Welche ungeheuren Bildungsmöglichkeiten im jüdischen Menschen liegen und mit welch erstaunlicher Schnelligkeit diese Fähigkeiten sich auch unter nur einigermaßen günstigen Bedingungen entfalten können, dafür gibt Salomon Maimons Lebens- und Bildungsgang ein lebendiges Zeugnis ab.!) Oder Neswish, im Gouvernement Minsk in Litauen. 2) Dies ist sein Vatersname. Familiennamen waren 2x1 der Zeit in Litauen noch nicht gebräuchlich. 3) Diesen Namen erhielt er später während seines Aufenthaltes in Berlin in bewußter Erinnerung an den großen Moses Maimonides, dessen religionsphilosophische und ethische Lehren ihn sein ganzes Leben hindurch mit Liebe und Begeisterung erfüllt hatten. \19 8*