Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Neuhebräisch?
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Neuhebräisch? Vorwort, ursprünglich deutsch geschrieben, schildert mit allen Tinten europäischer und, wenn man Rabindranath Tagore für typisch nehmen darf, auch asiatischer Stilistik die palästinensische Landschaft und macht dabei, zwischen hin und her zuckenden Gegensätzen und einem naturgegebenen Mittelpunkt, der Offenbarung folgende himmlisch begehrockte Respeklsvisite: „Ist es ein Zufall, daß in dieser Landschaft der Prophetismus erstand? Daß der Mensch hier wie am Sinai die ausschließende Einheit Gottes erkannte und das eine, was dem Menschen nottut, sittlich, das heißt gerecht zu sein?" Aus diesem mit allen Wassern neudeutschen Universilätsidealismus ge- und verwaschenen Salz hat der hebräische Übersetzer folgendes gemacht: „Ist es ein Zufall, daß dieses Hochland zur Lagerstatt der Prophetie wurde? daß hier wie am Sinai sich dem Menschen offenbarte der Eine Gott und ihm »gesagt ward, was gut ist und was Er von ihm fordert: Recht tun und Güte lieben«." Aus gebildetem Gewäsch ist in der Obersetzung, die nicht ihrem all fälligen Können, sondern dem gesetzmäßigen Müssen der Sprache folgte, das einfache Wort der Wahrheit geworden. Quod erat demonstrandum. Hörs daraus 1 109