Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Die Schriftzeichen vom Sinai und das Problem der "heiligen" Schrift
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 82 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Sdiriftzeidien vom Sinai und das Problem der „heiligen" Schrift Von Rudolf Hallo C'est de dien que nous vient oet art ingenieux de peindre la parole et de parier aux yeux. 1752 Wächters Umformung eines lateinischen Verses des Lucan, in dem den Phönikiern die Ehre der Erfindung der Buchstaben gezollt wurde. Wenn man von Sokrates sagen konnte, er habe als erster die Philosophie vom Himmel auf die Erde geführt, oder wie Ciceros Ausdruck eigentlich zu verstehen ist, er habe die bisher verantwortungsfreie vor ein Rede und Antwort heischendes Gericht gezogen, so darf man von den sinaitischen Schriftfunden sagen, daß sie erst das Problem der Schrift aus dem Bereich der Spekulationen und Phantasmagorien auf den Boden der sachlichen Prüfbarkeit geleitet haben.1) Die Ausführungen, die ich im ersten Sinaiaufsatz Bd. I Seite 162 bis i84 vorgetragen habe, haben bereits unter dem rein historischen Bericht der Entzifferungsgeschichte das Ziel verfolgt, dem nachdenklichen Leser sein Lesen zum Problem werden zu lassen. Problematisch wird aber das Lesen, sobald in den nahezu bewußtlos aufgelesenen Buchstabenformen ein ursprünglich sinnvoller Inhalt durchscheinend gemacht wird und daraus die Frage entsteht, wie denn das Schreiben, zu dem das Lesen Komplement ist, eigentlich vor sich gebe und was wir denn schrieben? x) Für das Empirische beziehe ich mich fortlaufend auf das bei Lafaire igaö erschienene Werk Hans Jensen: Geschichte der Schrift, das aber die sinaitischen Funde noch nicht in vollem Umfang als Drehpunkt der Schriflgeschichte zu erfassen vermochte. $2