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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Entwicklung des jüdischen Frauentyps seit dem Mittelalter
Date
1926-04-01
Page
71 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter Von Selma Stern IV. Die Jüdin der Gegenwart. Die Jüdin der Ghettozeit, der Emanzipationszeit, der Assimilationszeit hatte trotz aller grundsätzlichen Verschiedenheit ihrer Welt- und Lebensanschauungen ein Einziges gemeinsam. Sie wirkte, auch wenn sie, wie Dorothea Schlegel Schriftstellerin, wie Rahel Varnhagen und Fanny von Arnstein Gesellschaftswesen war, nur innerhalb ihres häuslichen Rahmens, innerhalb eines auserwählten Kreises von Verwandten, Freunden und Bekannten. Die Wende des 19. Jahrhunderts brachte hier eine völlige Wandlung. Die Frauenemanzipation schleuderte die Jüdin aus dem festen Gehege der Familie hinaus, stellte sie in Reih und Glied der großen Gemeinschaft Noch durchzittert von den gewaltigen Kämpfen der Emanzipationsjahre wird sie nun hineingerissen in eine viel größere, die Grundlagen ihres Wesens im tiefsten erschütternde zweite Revolution. Es war ja natürlich, daß gerade die Jüdin der damals entstehenden Frauenbewegung zujubelte. Einmal war es der revolutionäre Drang der Unterdrückten, der sich gegen jede Art von Unterdrückung erhebt Dann war die in der Bewegung enthaltene Idee dem Judentum an und für sich weniger fremd als dem Christentum. Freilich hatte der jüdische Vater, wir sahen es ja des öftern, das Recht, seine Tochter auch gegen deren Willen zu verheiraten. Aber eine seelische Abhängigkeit vom eigenen Manne, ein patriarchalisches Eheverhältnis, wie es die deutsche Frau Jahrhunderte lang ertrug, hat die Jüdin nie gekannt Das Kätchen- und Klärchenideal ist der jüdischen Dichtung fern geblieben. Der Jude ist nicht durch den Minnesang und die Feudalzeit des Mittel- 7t

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