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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Über die Haggadah
Date
1926-04-01
Page
34 (sequence 1)
Language
German
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Ueber die Haggadah Von Bruno Italiener In einer Handschrift der Darmstädter Landesbibliothek — es ist eine in den Rheingegenden in der ersten Hälfte des 14- Jahrhunderts von Israel b. Meir aus Heidelberg geschriebene Pessach-Haggadah — findet sich als letzte der in prächtigem Farbenschmuck leuchtenden Miniaturen die Wiedergabe eines Jungbrunnens. Man sieht auf der einen Seite Greise und Greisinnen, auf Krücken gestutzt, dem Wunderquell nahen, den sie auf der anderen Seite froh, in verjüngter Gestalt verlassen. Das Bild besagt mehr, als es auf den ersten Blick -scheint Es ist ein treffendes Gleichnis für die geheimnisvollen Kräfte der Erneuerung, die nun schon mehr als vier Jahrtausende in der jüdischen Gemeinschaft lebendig sind. Ein nicht geringes Verdienst an diesem Wunder fällt jenem kleinen Buche zu, aus dem der Jude alljährlich an den beiden ersten Abenden des Pessachfestes, den sogen. Sederabenden zu lesen pflegt, der Haggadah. Das hat vielleicht keiner starker empfunden als Heinrich Heine, der dem alten Glauben untreu, heimwehkrank die Worte niederschrieb: „Sobald es Nacht ist, zündet die Hausfrau die Lichter an, spreitet das Tafeltuch über den Tisch, legt in die Mitte desselben drei von den platten ungesäuerten Broten, verdeckt sie mit einer Serviette und stellt auf diesen erhöhten Platz sechs kleine Schüsseln, worin symbolische Speisen enthalten, nämlich ein Ei, Lattich, Meerrettichwurzel, ein Lammknochen und eine braune Mischung von Rosinen, Zimt und Nüssen. An diesen Tisch setzt sich der Hausvater mit allen Verwandten und Genossen und liest ihnen vor aus einem abenteuerlichen Buche, das die Agade heißt, und dessen Inhalt eine seltsame *) Seder Ordnung, weil der häusliche Gottesdienst an diesem Abend nach einer bestimmten Ordnung vor sich geht. 34

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