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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 713

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
[Rezension]
Date
1926-02-01
Page
713 (sequence 3)
Language
German
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Besprechungen tum ist die dauernde Spannung des Dualismus, zwischen diesem Vasallentum, den Ständen und der fürstlichen Gewalt eines der bedeutendsten bewegenden Momente der mittelalterlichen Geschichte, aus welchen Gegensätzen die großen europäischen Nationalstaaten erwuchsen. Mit ihnen kündigt sich — politisch gesehen — die „Neuzeit" an. Gelingt es Delbrück, auch diese Zeit in den folgenden Bänden aus demselben wirklichkeitserfüllten und gestaltungsmächtigen Geiste zu formen, und läßt ihm das Schicksal die Zeit dazu — so, glaube ich, wäre das nicht nur für Delbrück ein großes Geschenk, mehr noch für das deutsche Volk selbst, — als Eckstein zu dem Neubau einer selbstbewußten Staatsnation. Berlin. S. Mette. Jesu Bergpredigt. Rabbinische Texte zum Verständnis der Bergpredigt, ins Deutsche übersetzt, in ihren Ursprachen dargeboten und mit Erläuterungen und Lesarten versehen von Paul Fiebig. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 1924. Den literarischen Dokumenten der späten jüdischen Religion war bis in unsere Tage hinein ein seltsames Geschick beschieden. Lag es an ihrer, nur ernstem Studium zugänglichen Sprache, lag es an der Feindschaft gegen das Judentum, die sich auch auf seine Literatur übertrug, jedenfalls kann man die in der Geschichte der Wissenschaft sonst ganz unbegreifliche Tatsache feststellen, daß es dickleibige Werke über Religionswissenschaft gibt, die jeden asiatischen oder afrikanischen Götzendienst mit liebevoller Gewissenhaftigkeit untersuchen und darstellen, die aber die religiöse Entwicklung des Judentums mit der Entstehung des Christentums abgeschlossen sein lassen, und vom Talmud und Midrasch, ganz zu schweigen von den Religionsphilosophen des Mittelalters, überhaupt keine Kenntnis nehmen. Ein wenig besser ist es ja geworden, insbesondere seit Strack und andere mit Nachdruck darauf hingewiesen haben, daß man das Neue Testament unmöglich ohne Kenntnis des jüdischen Bodens, auf dem es erwachsen ist, verstehen könne. Seit damit die neutestamentliche Zeitgeschichte eine der wichtigsten Disziplinen christlicher Bibelwissenschaft geworden ist, fällt auch auf das Judentum jener Zeiten der Strahl der Gnade, und in den letzten Jahren ist durch manche fleißige Arbeit die Geschichte insbesondere der tannaitischen Periode geklärt worden. Sind auch die meisten Beiträge, zumal alle von christlichen Forschern herrührenden, lediglich zu dem Zwecke verfaßt, um das Christentum zu verstehen und zu beleuchten, so sind doch auch die Ergebnisse für die jüdische Religionsgeschichte an sich nicht unwesentlich. Verraten sie ja doch alle zum mindesten die Stärke der Beeinflussung, der das entstehende junge Christentum unterlag. Ein sehr beachtlicher Beitrag ist die Arbeit von Fiebig über die Bergpredigt Jesu und ihr Verhältnis zum rabbinischen Schrifttum. Die bereits von Harnack betonte absolute Abhängigkeit der Bergpredigt vom jüdischen Ideenkreise findet hier ihre wissenschaftliche Begründung. Wenn auch Fiebig sich nicht überall von dem Fehler ferngehalten hat, des rabbinischen Schrifttums Zweck in der Vorbereitung der Lehre Jesu zu erblicken, so atmen doch seine Ausführungen ein Maß der Objektivität, das man in solchen Arbeiten bisher nicht fand. Mit unendlichem Fleiß hat er die hebräischen und aramäischen Texte zusammengestellt, mit Sorgfalt und tiefem Verständnis sie übersetzt und erklärt. Und so darf sein Buch als eine wirkliche Tat auf dem Gebiete der vergleichenden Religionsgeschichte gerühmt werden. Nur einen Schritt muß man noch weitergehen. Das talmudische und mittelalterliche Judentum muß die Anerkennung erringen, daß es ein selbständiges Gebiet von hohem Werte ist, dem um seiner selbst willen wissenschaftliche Forschung gelten muß. Wohl ist das weite Gebiet vom -halachischen und haggadischen, vom juristischen und philosophischen Gesichtspunkt aus in zahlreichen Monographien bereits bearbeitet worden, und auch seinen Realien gilt manche Darstellung. Was fehlt, ist die religionsgeschichtliche Eingliederung in den großen Kreis der Formen religiösen Lebens. Und auf diese Lücke wieder einmal aufmerksam gemacht zu haben, ist ein Verdienst der Fiebigschen Veröffentlichung, das nicht unterschätzt werden soll. Felix Goldmann. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentum (herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Berlin-Schöneberg, Postscheckkonto Paul Veit Simon Berlin No. 7<>3o, 8 Mark jährlich). Im Oktoberheft berichtet Dr. Heinemann über das Thema „Messianismus und 713

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