Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 705 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung zuüben. Die Legende begann schon vor dem Auftreten der Schriftpropheten die geschichtliche Wirklichkeit zu überwuchern, und die in dieser Hinsicht unheilvolle Wirkung des Prophetismus, der eine erträumte Zukunft in die Vergangenheit zurückspiegelte und auch die Gegenwart nach Zukunftshoffnungen beurteilte, niinderte immer mehr den Sinn für die geschichtliche Wirklichkeit. Anlage. Der Tag von Jabesch. Zur Verlebendigung der knappen Ausführungen möge noch das nachfolgende Beispiel einer historischen Novelle dienen. Sie kann für die höchste Entwicklung, die die historische Novelle in Israel gefunden hat, eintreten. Zur Anknüpfung weise ich auf den Satz Sl 703 hin: „wundervoll der Wechsel epischen Dahinfließens und dramatischer Spannung in der Erzählung von den Kämpfen um Jabesch in Gilead, im Mittelpunkt der erwachende Saul". In der Wiedergabe ist die jüngere Verknüpfung mit der Samuel-Legende ausgeschieden. An welchen Stellen dies erfolgt ist, wird durch die Angabe der Verse und ihre Lücken deutlich. L 1. Es war nach einem Monat: da kam der Ammonite Nachasch und wütete gegen Jabesch in Gilead. Und die Männer von Jabesch allesamt sprachen zu Nachasch: Schließe mit uns einen Vertrag und wir werden dir dienen. 2. Und Nachasch, der Ammonite, sprach: Auf die Bedingung will ich mit euch einen Vertrag schließen, daß ich jedem von euch das rechte Auge ausschlage [So will ich Schande bringen über ganz Israel.] 3. Da sagten zu ihm die Ältesten von Jabesch: Gib uns Raum sieben Tage, daß wir Boten durch ganz Israel schicken; und wenn uns kein Helfer kommt, werden wir zu dir herauskommen. Ein einfacher und gedrängter Satz gibt den Anschlag, das Thema, die Grundlage. Aber nicht auf die Tatsache des Kriegs und der Kriegsnot kommt es dem Erzähler an, sondern auf die Menschen. Wechselrede folgt: die Menschen treten heraus; aus ihren Empfindungen wird die Situation in scharfen Gegenüberstellungen entwickelt: wie ein plötzliches In-die-Knie-Fallen das Angebot friedfertiger Unterwerfung, wie das Emporsteigen einer die Männer von Jabesch und ihre Not grell überleuchtenden Flamme der schändende Hohn 705 44«