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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 686

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Die Tragödie des Nationalismus im alten Griechenland
Date
1926-02-01
Page
686 (sequence 6)
Language
German
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Friedrich Hertz: Die Tragödie des Nationalismus im alten Griechenland Stimme des Nikias verhallt ungehört. So stürzten sich die Athener, nachdem sie schon 17 Jahre lang alle Schrecken des Krieges am eigenen Leib empfunden haben, aus keinem anderen Grund als blinder Sucht nach Machterweiterung in ein überseeisches Abenteuer, von dessen Umfang sie gar keine Ahnung hatten (VI 1; VII 28). Der Auszug zum Krieg gleicht mehr einem Gepränge, womit ganz Griechenland Macht und Reichtum Athens eingeprägt werden sollte, als einer bloßen militärischen Bewegung (VI3i). Und noch kurz vor dem völligen Untergang dieses stolzen Heeres — der schrecklichsten Katastrophe, die Athen je traf, — würdigen die Athener das gegnerische Angebot, Sizilien unbehelligt zu räumen, nicht einmal einer Antwort, weil sie noch auf Sieg hoffen (VII 3). So führt Thukydides schließlich zu ähnlicher Einsicht wie Herodot zur Erkenntnis des blinden Selbstvernichtungsstrebens der Machtgier. Auch ihm ist übrigens der Vorwurf mangelnden Patriotismus nicht erspart worden. Dionysius von Halikarnaß erkennt zwar seine Wahrheitsliebe an, tadelt ihn aber aufs Heftigste, weil er durch seine Greschichjs'daH>- stellung Athens Ruhm nicht gefördert habe.1) Dagegen sagt Pierre Bayle von ihm, „der Gipfel des Ruhmes für einen Historiker ist, seinen ärgsten Feinden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dies ist wahres Heldentum. Thukydides hat sich hierdurch noch viel ruhmvoller unsterblich gemacht, als durch alles Übrige seiner Geschichte." 2) 1) Karl Ottfried Müller, Geschichte der griechischen Literatur 1876. II. Band, S. 826, 33o. 2) Pierre Bayle in seiner Streitschrift gegen einen Kritiker (Anhang zum Diclionnaire historique et critique 17A0, 4. Band, S. 619).

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