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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 681

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Die Tragödie des Nationalismus im alten Griechenland
Date
1926-02-01
Page
681 (sequence 1)
Language
German
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Die Tragödie des Nationalismus im alten Griechenland Von Friedrich Hertz Herodot hat den uralten Gegensatz zwischen Asien und Europa und seinen ersten großen geschichtlichen Austrag dargestellt Der Sieg der Hellenen stärkte ihren Stolz den Barbaren gegenüber, es schien sich eine hellenische Nation zu bilden. Aber bald brach der furchtbare Bruderzwist des peloponnesischen Krieges aus., der durch 27 Jahre Griechenlands beste Kräfte verzehrte und in dessen Verlauf beide Teile die Perser als Bundesgenossen gegen Griechen zu gewinnen suchten. Diesen Kampf beschreibt das gewaltige Geschichtswerk des Thukydides. Wie Machiavelli und andere große politische Denker wurde Thukydides vorzeitig gehindert, seinem Vaterland als Staatsmann und Feldherr weiter zu dienen; in gramvoller Ohnmacht und im Exile folgte er dem Schicksalsdrama seines Volkes. Seine herbe, oft gedankenschwere Schilderung trägt eine fast rätselhafte Objektivität zur Schau, nur selten wird sein eigenes sittliches Urteil vernehmbar, am ehesten noch durch die Reden, die er den handelnden Personen in den Mund legt, und durch ihre Charakterzeichnung überhaupt. Mit der Ruhe und Klarheit eines von aller Parteisucht geläuterten Geistes entrollt er das Gemälde der verhängnisvollsten menschlichen Leidenschaft, schreibL er gewissermaßen eine reine Naturgeschichte des nationalen Machttriebes, ohne jede teleologische Reflexion über den Finger Gottes in der Geschichte, wie Herodot sie liebt Von der wahren Veranlassung des Krieges, sagt Thukydides, wurde wenig geredet; sie lag darin, daß die wachsende Macht der Athener den Lakedaemoniern furchtbar wurde und dies bestimmte sie zum Krieg (ln3, 88, 118ff.). Alle 68t

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