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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 680

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1926-02-01
Page
680 (sequence 10)
Language
German
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B. Jacob: Einführungen in das erste Bach Mose. Vorstellung beschränkt, die Sittlichkeit roh. Einen allgegenwärtigen, allmächtigen, allwissenden, gerechten, heiligen Gott konnten sie noch nicht fassen. ErsL die Propheten mehr als ein halbes Jahrtausend nach Mose und ein ganzes nach Abraham haben den reinen Gottesbegriff und die lautere Sittlichkeit geschaffen. Treten solche bereits in den Erzählungen von den Erzvätern hervor, so können sie erst in oder nach dieser Zeit abgefaßt sein oder müssen eine entsprechende Umarbeitung erfahren haben. Das ist der grundsätzliche Irrtum der Entwicklungstheorie, nach der in Ähnlichkeit mit der Aufeinanderfolge der Lebensformen der Natur oder mit den Fortschritten in Wissenschaft und Technik auf allen Gebieten am Anfang das Unvollkommene und erst am Ende das Größte und Vollkommenste, das sich allmählich aus ihm entwickelt hat, steht — eine Theorie, die der Gegenwart freilich sehr schmeichelt Denn befriedigt darf sie dann feststellen, wie herrlich weit sie selbst es gebracht hat Aber die Erfahrung widerspricht ihr zu oft Das Spätere ist durchaus nicht immer das Vollkommenere. Man darf auch nicht Kultur mit Gesittung und Breite mit Tiefe verwechseln. Die höchste Ausbildung der Technik und verfeinerte Üppigkeit und selbst ein hoher Stand von Kunst und Wissenschaft vertragen sich sehr wohl mit einem Tiefstand der Moral und selbst mit Bestialität Die Religion ist kein Erdgewächs, sondern himmelentstammt Der Himmel wölbt sich nicht nur über den Kulturzentren und großen Städten, und von den Urzeiten an hat es unter jedem Strich hochgesinnte reine Herzen, zarte Seelen und strenge Gewissen gegeben. Gerade enge Verhältnisse, Einsamkeit und Wüste sind mehr als einmal die Geburtsstätte der Religion gewesen. Die Propheten treten nicht als Verkünder neuer, sondern als Prediger alter Wahrheiten auf. Die patriarchalische Religion ist nicht die Tochter, sondern die Mutter der mosaischen und prophetischen. (Der 2. Teil der „Erzväter" folgt in Nr. i des II. Jahrganges.) 680

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