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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 665

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Das Lebensrecht des Kindes
Date
1926-02-01
Page
665 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Das Lebensredit des Kindes Von I. Heinemann Die Humanitätsidee der Neuzeit ist aus zwei grundverschiedenen Wurzeln erwachsen. Die erste liegt in der jüdischen Forderung der Nächstenliebe, der das Christentum zu weitester Anerkennung verhalf; die andere in der wissenschaftlichen Arbeit des Hellenismus, die uns namentlich durch römische Übersetzungen vermittelt ist Während aber im Judentum und im Christentum die Geltung des Mitmenschen wesentlich aus dem Glauben an Gott als dem Vater aller Menschen und dem Gesetzgeber der Sittlichkeit fließt, steht dia hellenistische Ethik zur Religion nicht in näherer Beziehung. Der große Denker, auf den das Ideal der humanitas unmittelbar zurückgeht, der Stoiker Panaitios, der Freund des jüngeren Scipio, war eine durchaus areligiöse Natur.1) Die Forderung der Philanthropie, die er bis zum Pazifismus durchführte, erwuchs ihm aus der Einsicht, daß „niemand dem Menschen soviel genützt und so viel geschadet hat wie der Mensch"; daher ist die Förderung unseres Eigenwohls ohne die des Gemeinwohls nicht möglich. Und wenn andere Denker, insbesondere die Pythagoreer und ihre Nachbildner, eine Brücke suchten zwischen der Ethik und ihrer persönlichen Frömmigkeit, so kann auch bei ihnen von religiösen Motiven der Ethik nur in begrenztem Umfang gesprochen werden; keinesfalls fand eine Wirkung des ethischen Fortschrittes auf die Staatsreligion statt: die Vertreter einer reinen Ethik haben sie weit mehr als Gegnerin denn als Freundin und Helferin empfunden. Wer der Meinung ist, daß das Bündnis zwischen Religion und Ethik, wie das Judentum es schloß, kein zufälliges, sondern im Wesen beider begründet ist, wird es verständlich finden, daß die Lösung der Ethik von der Religion zu *) Reitzenstein, Werden und Wesen der Humanität im Altertum, 1907. 665

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