Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Statistik der Juden in Hessen
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 663 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Statistik der Juden in Hessen Die drei ersten Zeiträume umfassen je vier Jahre, der letzte zwei Jahre; die Zahlen sind also leicht untereinander vergleichbar. Gestorben sind im Zeitraum zwischen den beiden Zählungen in Hessen 5oo2 Juden, also 2 2,5 0/0 der mittleren jüdischen Bevölkerung. Die Sterblichkeit ist die gleiche wie die der Gesamtbevölkerung (22,00/0). Sie ist bedeutend höher in Gießen, 34,4%, ebenfalls infolge der zahlreichen dortigen Kliniken. Niederer ist sie in Darmstadt (19..9%) und vor allem in Offenbach (12,90/0). Diese Zahl läßt sich nur aus einer starken Abwanderung erklären. Die Zahl der gestorbenen Juden übersteigt in Hessen die Zahl der lebendgeborenen in diesem Zeitraum um 579.. Nach der natürlichen Bevölkerungsentwicklung hätten demnach bei der Zählung im Juni 1926 von 24060 noch 23 484 Juden vorhanden sein müssen. Da aber nur 2o4oi gezählt wurden, ergibt sich ein weiterer Verlust von 3o83 Personen. Sie sind zum geringsten Teil Folge von Austritten, zum größten Teil stellen sie den Überschuß der Abwanderung gegenüber der Zuwanderung dar. Die Zahl der jüdischen Mädchen, die nichtjüdische Männer geheiratet haben und, wie man annehmen darf, dadurch dem Judentum verlorengegangen sind, beträgt 174 in den Jahren 1911—1924. Die evangelische Kirche in Hessen meldet in der gleichen Zeit 87 Übertritte aus dem Judentum. Nimmt man die gleiche Zahl von Übertritten zur katholischen Kirche an, was eher zu hoch wie zu nieder gegriffen sein dürfte, und eine ebenso große Zahl von Austritten ohne Übertritte, so käme man auf einen Verlust von etwa 2 5o Personen. In dieser Zahl sind die Mischehen mit jüdischen Frauen mitenthalten. Der Mehrverlust ist demnach hauptsächlich auf Abwanderung zurückzuführen. Von den 3o83 Personen entfallen 934 auf Offenbach. Im Verhältnis zur mittleren jüdischen Bevölkerung Offenbachs beträgt er 46,2 o/0; 4i3 oder 22,70/0 der mittleren Bevölkerung kommen auf Darmstadt, 5i4 oder 16,3P/o auf Rheinhessen ohne Mainz und Worms, 531 oder 10,60/0 auf Starkenburg ohne Darmstadt und Offenbach und 491 oder 9,60/0 auf Oberhessen ohne Gießen. Der Rest von 200 verteilt sich auf Gießen (27), Mainz (74) und Worms (99). Leider geben diese Zahlen nur das rechnerische Mehr der Abwanderung gegenüber der Zuwanderung. Die Stärke jeder der beiden Bewegungen für sich und der Grad der Seßhaftigkeit ist aus ihnen nicht zu ersehen. Ebensowenig läßt sich die Richtung der Wanderungsbewegung daraus erkennen. Um feststellen zu können, wohin die Abwanderung erfolgt ist, ob in größere Städte oder in andere Gebiete, müssen die Zählungsergebnisse der übrigen Länder ab- 663