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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 659

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Statistik der Juden in Hessen
Date
1926-02-01
Page
659 (sequence 2)
Language
German
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Otto Melier: Statistik der Juden in Hessen trittsbewegung, Sektenbildung — zu geben vermögen, sondern mittelbar Schlüsse auf gewisse Wanderungsvorgänge innerhalb unseres Volkes zulassen. Für Hessen wurde die Feststellung der Religionszugehörigkeit gleich bei der ersten Auszählung der ortsanwesenden und Wohnbevölkerimg vorgenommen. Das ermöglicht, für dieses Land wenigstens, bemerkenswerte Einblicke in Stand und Bewegung der jüdischen Bevölkerung während und nach dem Krieg. Es ist wiederholt hervorgehoben worden, daß auch die Judenstatistik neben ihrer Bedeutung für die jüdische Religionsgemeinschaft noch eine allgemeinere Bedeutung auch für die nichtjüdische Bevölkerung hat, weil hier eine sozial und geistig verhältnismäßig gleichartige Schicht erfaßt wird, deren Bevölkerungsvorgänge in gewissem Sinn paradigmatisch für die übrige Bevölkerung sind. Es handelt sich um eine wirtschaftlich gehobene, geistig fortgeschrittene und bewegliche Bevölkerungsklasse, die viele Änderungen, die sich in der Gesamtbevölkerung langsam, massig und undeutlich vollziehen, früher und mit stärkerem Ausschlag registriert. Die nachfolgenden Zahlen werden uns dafür einige Belege bieten. Als Vergleich zu der Zählung von 1925 muß die Volkszählung von 1910 herangezogen werden, wo zum letztenmal das Bekenntnis ausgewertet wurde. Dabei ist allerdings zu beachten, daß bei der Zählung von 1910 die Konfession für die ortsanwesende Bevölkerung ermittelt wurde, d. h. für jeden an dem Ort, wo er sichgerade zufällig am Zähltag (1. Dezember) aufhielt, während 1925 die Grundlage für die Auszählung die Wohnbevölkerung bildete, also der Einzelne an seinem Wohnort erfaßt worden ist Es war dies nötig, weil 1925 der Zählungstag in den Sommer fiel (auf den 16. Juni), wo ein großer Teil der Bevölkerung auf Reisen ist, so daß die Zählung nach dem zufälligen Aufenthaltsort kein richtiges Bild für die räumliche Gliederung des Volkes gegeben hätte. Da im Winter die Bevölkerung seßhafter ist und ortsanwesende und Wohnbevölkerung im Dezember sich ziemlich decken, ist ein Vergleich beider Zählungen im allgemeinen wohl berechtigt. Die bemerkenswerteste Tatsache ist der starke Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Hessen. Ende 1910 waren noch 2 4o63, das sind 1,880/0 der Gesamtbevölkerung vorhanden, 1925 nur noch 20 4oi, das sind i,5io/0, also 3 662, das sind i5,2 0/0 weniger. 659

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