Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Nachahmung Gottes
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 638 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nadiahmung Gottes Von Martin Buber L In Piatons „Theaitetos" erklärt Sokrates, das Übel könne nie aus unsrer Welt schwinden. Es sei als der Gegensatz zum Guten vonnöten, habe aber in der Welt der Gotter keinen Platz und müsse daher in der der Menschen hausen. Darum eben sollten wir eilen, von hier dorthin zu entfliehn. Der Weg dieser Flucht aber sei, Gott so ähnlich zu werden als wir vermögen; und dies bedeute, durch Wissen gerecht und fromm zu werden. Man hat, wohl mit Recht, diese Lehre auf die pythagoreische Schule zurückgeführt, der das Wort „Folge dem Gott nach" zugeschrieben wird2) und von deren Stifter es heißt3), sein und der Seinen ganzes Leben sei auf dieses eine gerichtet gewesen; auch den Begriff der Nachfolge gebraucht Pia ton ja wiederholt, so wenn er, im „Phaidros" 4), sagt, die Seele allein, die am besten dem Gott nachwandle und sich ihm angleiche, schaue das wahre Sein. Was hier mit der Nachfolge Gottes, dem „Gleichniswerden" gemeint ist, verstehen wir erst ganz, wenn wir uns die pythagoreische, von Piaton ausgebildete Konzeption der Seelenwanderung vergegenwärtigen. Die Seele ist ein gefallenes götterartiges Wesen, das zur Strafe für seine Schuld in die Grabkammer des Leibes geschlossen worden ist und durch die Leiber von Tieren und von Menschen wandern muß; reinigt sie sich auf diesem Weg und gewinnt Gottähnlichkeit wieder, dann löst sie sich vom Zwang des Wiedereintritts in das körperhafte Leben und geht von neuem in die Götterwelt ein. Gott also ist das Vorbild der sich zur Heimkehr läuternden Seele. i) 176 B-D. — 2) Stofaaeus Eclogae ed. Wachsmuth II. 24g, 8. — 3) Jamblichus Vita Pythagorae 187. — 2 48 A. 638