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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 626

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Israel und die Kultur des alten Vorderasien
Date
1926-02-01
Page
626 (sequence 2)
Language
German
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Max Löhr an -wertvollen historischen Elementen fehlt, die uns aber leider nicht das Bild eines pragmatischen Geschiehtsverlaufes bietet Eine wirkliche Geschichte des israelitischen Volkes beginnt für uns relativ spät, seit David ca. iooo v. Chr. Er schließt das vorher keineswegs einheitliche Israel zu einer Nation zusammen, in Sonderheit die Südstämme, aus denen mit David selbst der Stamm Juda als tonangebend hervortritt, und die Nordstämme, das „Haus Joseph", das Israel im eigentlichen Sinne. Politisch geeint erscheinen diese beiden Volkskomplexe unter David und Salomo. Nach des letzteren Tode zerfallen sie wieder in zwei Gruppen. Wie hat sich nun dieses Israel zur Kultur des Landes, das seine Heimat wurde, und damit zur vorderasiatischen Kultur überhaupt gestellt? — Das Resultat der folgenden Ausführungen vorwegnehmend, soll schon jetzt geantwortet werden: annehmend und ablehnend, jedenfalls seine Eigenart bewahrend; einige der israelitischen Stämme sind zwar von dieser Kultur aufgesogen worden, andere nach tapferster Gegenwehr den Stürmen der Geschichte zum Opfer gefallen. Ein Teil aber hat sich durchgesetzt, hat eine eigene Kultur geschaffen und ist deren Träger geblieben bis auf den heutigen Tag. Es ist jedenfalls ein einzigartiges Schauspiel der Geschichte: mit den Göttern Vorderasiens sterben ihre Völker und mit den Völkern ihre Götter, ihre Kulte und die darauf ruhenden Kulturen. Israel und sein Gott lebt, lebt und wirkt mit seiner Geisteskultur tief hinein in die monotheistischen Religionen des Christentums und des Islam. Angenommen hat Israel in erster Linie die materielle Kultur. Auf dem Gebiete der Technik und der gestaltenden Kunst bleibt es immer abhängig. Zwangsläufig bildet sich commercium und connubium, Handelsverkehr und Blutmischung zwischen ihm und der einheimischen Bevölkerung des Landes heraus. Das siegreiche Naturvolk Israel entrichtet der besiegten Kulturbevölkerung Kanaans seinen Tribut; des ersteren materielle Kultur ruht unstreitig auf der sog. Baalskultur Kanaans. Die letztere ist trotz lebhaften Widerspruchs einzelner Kreise des Volkes tief in die Lebensgestaltung Israels eingedrungen; zunächst, in der vorköniglichen Zeit, wohl nur auf einzelnen lebenswichtigen Gebieten. Die Israeliten lernen Ackerbau und Gartenkultur, die Pflege des Weinstocks, des Ölbaums und des Feigenbaums, jetzt von grundaus kennen; auch werden sie schon Städtebewohner. Man wird sich von dieser Übergangszeit ein Bild machen dürfen nach den Schilderungen etwa des Richterbundes oder, um auch außerbiblische Literatur zu nennen, nach manchen Angaben des ägyp- 626

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