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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 620

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
[Rezension]
Date
1925-12-01
Page
620 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen angefragt, ob diese Behauptung zutreffend ist und die Antwort erhallen, daß er niemals eine solche oder ähnliche Aeußerung getan habe." Ich hoffe, Frau Karin Michaelis wird in der nächsten Auflage ihres Schriflchens auch von diesen Zeitungsmeldungen Notiz nehmen und die antisemitische Legende von der jüdischen Abstammung D'Annunzios ausmerzen. Sie kann sich in Pescara leicht durch Einsicht in die Akten davon überzeugen, daß D'Annunzio daselbst am 12. März i8G& geboren und von rein italienischen Ellern abstammt. Der Ersatz des eigentlichen Familiennamens Rapagnctta durch das wohlklingendere D'Annunzio hat, wie die oben wiedergegebenen Zeitungsnotizen beweisen, ein antisemitischer Brunnenvergifter dazu benutzt, um die Lüge von der jüdisch-polnischen Abstammung D'Annunzios in die Welt zu setzen. Man möchte meinen: Warum so viel Aufhebens machen von der Abstammung D'Annunzios? Weil es ein lehrreicher Fall ist, wie antisemitische Lügen in die allgemeine Literatur übergehen. D'Annunzio ist zu einem Kronzeugen f ür"die angebliche sittliche Minderwertigkf-it des Judentums geworden, weil irgendwie einmal ein Schmeck die Leichtgläubigkeit der Zeilungsleser für seine Zwecke ausgenutzt hat. Selbstverständlich finden wir den „Juden" D'Annunzio auch in Günthers „Rassenkunde des Deutschen Volkes". Sein Bild wird auf Seite 397 wiedergegeben, mit der Unterschrift: „Jude aus Italien (Galizien?) Schriftsteller in italienischer Sprache, anscheinend vorwiegend westisch". Und auf Seite 416 versucht Günther, in der ihm eigenen famosen wissenschaftlichen Art, nachzuweisen, daß die eigentümlich leichte Sprache des „jüdischen Schriftstellers" D'Annunzio im Unterschiede etwa zu Manzonis schwerflüssigem Italienisch darauf zurückzuführen sei, daß der Jude eben nur äußerlich und oberflächlich die ihm „blutsfremde" Sprache behandeln könne. — Ich werde Herrn Günther diese Besprechung zur Aufklärung seines Irrtums über die Abstammung D'Annunzios zusenden. Da Günther das Totschweigen als „spezifisch jüdisch" bezeichnet, so wird ihm als nordischem Menschen •wohl nichts übrig bleiben als bei einer Neuauflage seines Buches D'Annunzio aus dem Judenkapitel zu streichen. J. Goldstein. Jahrbuch der Soziologie. I. Band, Ein Internationales Sammelwerk. Verlag G. Braun, Karlsruhe Baden, Brosch. 12 Mark, Leinenband i5 Mark. Professor Gottfried Salomon hat mit der Herausgabe dieses Jahrbuchs für Soziologie der deutschen Wissenschaft einen wertvollen Dienst erwiesen. Die gesellschaftswissenschaftliche Forschung darf sich nicht auf die literarische Produktion eines Landes beschränken, ohne sich der Gefahr auszusetzen, geistig zu verdorren. Gerade auf soziologischem Gebiete bringt die angelsächsische und die romanische Welt wertvolle Arbeiten hervor, die wir im Interesse der deutschen Wissenschaft nicht unbeachtet lassen dürfen. Der Herausgeber schreibt in der Vorrede: „Der übernationale Gedanke einer geistigen Einheit, welche Europa und Amerika umfaßt, tritt in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit wieder hervor. Diesem Zwecke soll die Veranstaltung gegenseitiger Kenntnisnahme und Aussprache dienen. Die geistige Zusammenarbeit gleicht einem Konzert, instrumentiert von den Stimmen der Völker, das durch Proben in seinem harmonisch-rhythmischen Zusammenklang gefördert wird." Aus Erwägungen solcher Art ist das vorliegende Unternehmen entstanden. Der Verlag von G.Braun, Karlsruhe hat durch Druck und Papier diesem Bande eine dem Gegenstände würdige Ausstattung gegeben. Zur Charakteristik des Inhalts seien die Namen der Mitarbeiter und die Titel ihrer Beiträge hier wiedergegeben: Max Adler-Wien: Soziologie und Erkenntniskritik. — Carl Brinkmann-Heidelberg: Wissenschaftsgeschichtliche und erkenntnistheorelische Grundlagen der Soziologie. — C Bougle- Paris: Die philosophischen Tendenzen der Soziologie Emil Dürkheims. — Charles A. Ellwood-Missouri: Die Beziehungen der Soziologie zur Sozialpsychologie. — Franz Oppenheimer - Frankfurt: Soziologie des Staates. — Roscoe Pound-Harvard: Soziologische Jurisprudenz in Amerika. — Hermann Kanlorowicz-Freiburg: Staatsauf fassungen. — Kurt Breisig-Berlin: Einheit als Geschehen. — Karl Joel-Basel: Der säkulare Rhythmus der Geschichte. — Ferdinand Tönnies-Kiel: Richtlinien für das Studium des Fortschritts! und der sozialen Entwicklung. — Ludwig Stein-Berlin: Soziologische und geschichtsphilosophische Methode, dargestellt am Bei- 620

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