Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Zum Verständnis Bialiks
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 616 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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Ernst Simon Zum Verständnis Bialiks gerade im Gegenteil die Angst des Einsamen vor dem Chaos. Der Mensen kann das Nichts sich gegenüber nicht ertragen — er wirft ein Wort in den Abgrund, damit er sich beruhige. Die Sprachvorsteilung ist hier eine durchaus tolemistische. Sprechen ward aus „Besprechen" und ist ein Zauber, der dem Menschen hilft, sich gegenüber der chaotischen Unendlichkeit zu verdecken und sie zu verhüllen. Der horror vacui ist die eigentliche Triebfeder der menschlichen Rede — doch verringert der Wandel der Worte und Systeme (die im Großen die gleiche verbergende Tendenz haben) das Geheimnis des Seins nicht: er verhüllt die Frage nur immer neu. Die gefährlichen Augenblicke sind die Lücken in der Kontinuität der Verwandlungen, in denen unter dem Eisgang der Worte die Fluten des Chaos sichtbar werden. Und gerade in diesen kritischen Augenblicken lebt, im Unterschied zu jedem anderem, der spricht oder schreibt, der Dichter: in ihnen wird sein Wort geboren....... 616