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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 605

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Das Problem der Volksgemeinschaft und die Einordnung des Judentums
Date
1925-12-01
Page
605 (sequence 12)
Language
German
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Das Problem der Volksgemeinschaft und die Einordnung des Judentums eine weitgehende Ausgleichung der Lebenslagen herbeizuführen, wofür die verschiedensten Methoden in Vorschlag gebracht und als politische Kampfprogramme formuliert worden sind, von friedlicher Bodenreform und harmlosem Genossenschaftsexperiment bis zum revolutionären Gesellschaftseinbruch, der keinen Stein auf dem andern zu lassen gewillt ist Erst jenseits einer gründc lieh umgestalteten Welt, im äußersten Falle erst jenseits des rauchenden Schatthaufens dieser Tage, wird sich die neue und echte Volksgemeinschaft erheben, deren wahre Problematik von allen anderen Gemeinschaftsbestrebungen naturalistischer oder ideologischer Art übersehen wird, während erst das sozialkrilische Denken die unterste Schichtläge abhebt Eine Weiterverfolgung der hier zugrunde liegenden Gedankengänge wurde die diesem Beitrag gesetzten Grenzen in jeder Weise aufheben. So muß es genügen, abschließend darauf zu verweisen, daß von der hier eingenommenen Problemstellung aus für das Judentum und seine Einordnung keine speziellen Schwierigkeiten erwachsen. Denn das Judentum ist durch alle Schichten des deutschen Volkskörpers mit starken Anteilen gelagert, und wenn es an der frühkapitalistischen Entwicklung auf dem bourgeoisen Flügel eine stärkere Beteiligung aufweist, als seiner sozialen Struktur an sich entspricht, so ist, selbst nach den Feststellungen eines Werner Sombart, der den ökonomischen Mythos des homo capitalisticus iudaicus zusammengeflochten und dem Judentum damit einen schlechten Dienst erwiesen hat, diese Anteilnahme im Rückgang begriffen. Im übrigen spricht hier nicht nur die materiell-ökonomische- Lage mit Das Judentum hat lange Jahrhunderte hindurch die Schicksale eines Pariavolkes erlebt, wodurch es sich noch heute vielfach in allen seinen Teilen, mögen sie gleich zu den ökonomisch herrschenden gehören, jedweder leidenden Kreatur enger verbunden fühlt als derjenige, der immer nur das stolze Leben einer Herrenkaste gelebt hat Eine feinere Reizbarkeit ist aus den langen Leidensjahren zurückgeblieben (wenigstens in den gesunden Teilen, die vor häßlichen Mißbildungen bewahrt blieben. Es hat gewiß auch den jüdischen Wucherer, Spekulanten und Güterschlächter gegeben!), sodaß der eigene Nerv auch bei fremden Leiden mitzuckt Der unterdrückte Mensch hat immer den Bedrücker um einige Grade Menschlichkeit übertroffen- Zudem ist in dem sozial-ethischen Gesetzeswerk des Judentums ein Erfahrungsschatz aufgespeichert, dessen lebendige Tradition bis heute unverloren ist Das alles sind Möglichkeiten, die für die werdende Volksgemeinschaft des hier besprochenen letzten Typus von höchstem Wert sein können. 605 38*

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