Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Staat und Erziehung
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 585 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Staat und Erziehung Von Moritz Werner Nachdem in Nr.3 0.Melier als Katholik, in Nr. 4 F.Niebergall als Proleslant sich zu dieser Frage geäußert haben, spricht hier ein Vertreter des Judentums. Sofern gegenüber einem Problem, wie dem hier zu erörternden, immerhin eine bescheidene Wahrscheinlichkeit der Objektivität vorhanden ist, hat sie vielleicht derjenige für sich, der als Jude an dieser Diskussion teilnimmt Die Minderheit, der er angehört, hält mehr Abstand als die Andersgläubigen von den großen Organisationen, durch die im Grunde immer der entscheidende Konflikt ausgelöst wird, von Staat und Kirche — nur historisch freilich von jenem, aber von dieser auch grundsätzlich. Das Subjektive wird er dabei um so weniger vermissen lassen, als es ihn sogar innerhalb der eigenen Glaubensgenossen unter Umständen scharf individualisieren wird, eben weil sie absolut keine Kirche mit dogmatischen Bindungen, sondern eine lediglich auf Gewissen spf licht des einzelnen gegenüber Gott und den Mitmenschen gegründete Religionsgemeinschaft bilden. Sind sie aus jedem Kirchentum ein für allemal ausgeschaltet, so braucht ihnen deshalb noch lange nicht das Augenmaß für dessen Leistungen und Bedürfnisse zu fehlen. Dem modernen Staat aber werden sie bloß zumuten, daß er sie als religiöse Körperschaft öffentlichen Rechtes gelten lasse, die sich zusammen mit den anderen ihresgleichen um - die beste Lösung der Erziehungsaufgabe innerhalb seines Rahmens mühen darf. Die Arbeit der Gesamtheit wird dann desto wertvollere Anregungen empfangen, je offener und deutlicher gerade auch der jüdische Standpunkt präzisiert wird. So geht es gleich mit der Kompetenz des Elternhauses, die wir noch viel entschiedener geltend machen müssen, als es der Wortführer des Katholizismus hier schon getan hat. Jüdische Religiosilät mit ihrem starken Übergewicht 585