Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 566 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Engelbert Krebs werde" (Apg. i3, 33—38). — Dieser Hinweis auf Psalm 2, 7 gehört zum eisernen Bestand des alttestamentlichen Schriftbeweises. Ihn hat Petrus schon in der Predigt am Pfingsttag gebraucht (Apg. 2, 27). — „Als sie nun hinausgingen, bat man sie, am folgenden Sabbat über diese Worte mit ihnen zu reden, und als die Versammlung entlassen war, folgten viele der Juden und frommen jNeubekehrten dem Paulus und Barnabas, und diese redeten ihnen zu und rieten ihnen, in der Gnade Gottes zu verharren. Und am folgenden Sabbat kam beinahe die ganze Stadt zusammen, um das Wort Gottes zu hören" (Apg. i3, 42—44). Aber der schließliche Erfolg war immer derselbe. Paulus war zum Schluß immer genötigt, mit der kleinen Schar derer, die mit ihm an die Erfüllung durch Christus glaubten, aus der Synagoge auszuwandern und sich einen anderen Ort auszusuchen. Dann ging er in irgendein Privathaus, — so in Korinth in das Haus des Titus Justus, das an die Synagoge stieß (Apg. 18, 7), so in Ephesus, wo er drei Monate in der Synagoge gebetet hatte, in die Schule eines gewissen Tyrannus (Ebd. 19, 9) — und predigte dort und fuhr dort mit seiner Missionsarbeit weiter. Er blieb aber immer innerlich den Juden verbunden, in seinem Auftreten gab er sich wie ein jüdischer Rabbi. Darum verschmähte er es, wozu er ein Recht gehabt hätte, als „Diener des Evangeliums vom Evangelium zu leben. — Ich aber habe davon keinen Gebrauch gemacht," rühmt er sich (1. Kor. 9, i4f-)- Denn nach jüdischer Überlieferung soll der Gottesgelehrte seinen Unterricht umsonst erteilen.1) Und Paulus hat immer stolz daran festgehalten, mit seiner Hände Arbeit als Zeltweber sich an den Stätten seiner Missionstätigkeit einen Unterhalt zu suchen (1. Kor. 4, 12). In den ortsüblichen Arbeitsstunden, ja manchesmal „Tag und Nacht" (1. Thess. 2, 9) stand er in der Werkstatt, in den Freistunden hielt er seine Missionsvorträge. Dem innerlichen Festhalten am Judentum entsprach es auch, daß Paulus die jüdischen religiösen Gebräuche, obwohl er sie nicht mehr für heilsnotwendig halten konnte, selber beibehielt und von Judenchristen beibehalten wissen wollte. Nur sollte man sie nicht den vom Heidentum kommenden Christen als heilsnotwendig aufzwingen. Darum beschneidet Paulus selber zu Lystra — wie schon einmal erwähnt wurde — seinen Begleiter Timotheus, der von einer jüdischen Mutter stammt (Apg. 16, 3). Dagegen wehrt er sich, den Titus zu beschneiden, der von rein i) H. Achelis S. 42. 566