Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Bemerkungen zu zwei Büchern
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 548 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Goldstein: Bemerkungen zu zwei Büchern Von welcher Gruppe, die wie die Juden i5 Millionen Menschen umfaßt, laßt sich nicht ein Gleiches sagen? Finden sich nicht in jedem größeren Dorfe Menschen, die den allerverschiedensten Parteien und Richtungen angehören, und die mit den allerverschiedensten Kräften und Anlagen ausgestattet sind? Wenn man freilich von der Voraussetzung ausgeht — der heimlichen, antisemitischen — daß die deutschen, italienischen oder englischen Juden eigentlich keine deutsche, italienische oder englische Politik, sondern eine jüdische Politik machen oder machen müßten, dann freilich wird man überrascht sein, daß sich bei den Sozialisten und Kapitalisten, bei den Internationalisten und Fascisten gleichermaßen Juden als Führer finden. Aber diese Voraussetzung ist eben falsch und — tückisch. Und der Satz: „die Juden können alles", ist insofern irreführend, als es sich gar nicht um ein äußerliches Können, sondern um ein innerliches Müssen handelt, und als die politische Betätigung der italienischen Juden in Sozialismus und Fascismus nicht als Juden, sondern als Italiener erfolgt Wenn Michels schließlich die Führertätigkeit der Juden in den verschiedenen Parteien nur aus der Tatsache ihrer geistigen Beweglichkeit, ihres politischen Talentes und ihres Ehrgeizes zu erklären versucht, so möge er bedenken, daß ein Mensch, der einer politischen Idee nicht um ihrer selbst willen dient, sondern nur aus Freude am Spiel seiner Kräfte und zur Befriedigung: seines persönlichen Ehrgeizes, daß ein solcher Mensch als arriviste, als skrupelloser Ehrgeizling zu bezeichnen ist Will Michels sagen, daß es nur anter den Juden diesen Typus gibt? Ich kann es nicht glauben, denn ich weiß, er kennt auch viele nicht-jüdische Exemplare dieser wenig erfreulichen Gattung. 548