Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 505 (sequence 10)
- Language
- German
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Der Frauentypus der Romantik machen. Eine solche Epoche nicht blos glänzenden, sondern wahrhaft bedeutenden geselligen Verkehrs, wie sie zu verschiedenen Zeiten in Athen, in Paris sich entwickelt hat, begann damals für Berlin." — „Daß junge Gelehrte und Elegants", schrieb Schleiermacher in jener Zeit seiner Schwester, „die hiesigen, großen, jüdischen Häuser fleißig besuchen, ist sehr natürlich, denn es sind bei weitem die reichsten bürgerlichen Familien hier, fast die einzigen, die ein öffentliches Haus halten und bei denen man wegen ihrer ausgebreiteten Verbindungen in allen Ländern Fremde von allen Ständen antrifft" Wer also auf eine recht ungenierte Art gute Gesellschaft sehen will, läßt sich in solchen Häusern einführen, wo natürlich jeder Mensch von Talenten, wenn es auch nur gesellige Talente sind, gern gesehen wird und sich auch gewiß amüsiert, weil die jüdischen Frauen — die Männer werden zu früh in den Handel gestürzt —, sehr gebildet sind und gewöhnlich die eine oder die andere schöne Kunst in einem hohen Grade besitzen. — Der Adel aber, der, wie Hillebrand erklärte, „zu Hause nur das Zeremoniell und eine schlechte übertünchte Langeweile fand", entdeckte im Heim dieser schönen Jüdinnen alles, was man daheim schmerzlich entbehrte: „einen Luxus, der dem protestantischen Hause fern geblieben war und hier meist wirklich Geschmack verriet, Eleganz, natürlichen Esprit und eine große Freiheit der Um gangsformen.'' Andererseits war aber ja gerade der Adel auch in Preußen von den liberalsten Ideen, die damals in der Luft lagen, wie berauscht, und deshalb lag noch ein besonderer Reiz für ihn in dem Umgang mit Menschen, die erst seit gestern emanzipiert waren und ohne alles Vorurteil, ohne Vergangenheit und Überlieferung in einer Gesellschaft lebten, deren Gesetze und Grundsätze sie nicht kannten. Und was allenfalls noch von Vorurteil in der Aristokratie zurückgeblieben war, das ward durch die Erwägung hinweggeräumt, daß man von diesen Emporkömmlingen durch eine zu tiefe Kluft geschieden sei, als daß man ihre Berufung hätte fürchten müssen. Und so ward alles, was es Ausgezeichnetes in Berlin gab, in diese jüdische Kreise hineingezogen. Zuerst brachen die Diplomaten das Eis, dann folgten die Edelleute der Mark, und selbst die königliche Familie war durch eines ihrer hervorragendsten Mitglieder vertreten und auch die Gelehrten und Schriftsteller fehlten nicht Den ersten Versuch, das gesellschaftliche Leben auf eine ästhetische und geistige Grundlage zu stellen, machte, noch zurückhaltend, einfach und be~ 505