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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 480

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-10-01
Page
480 (sequence 1)
Language
German
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Gestalten der Spätantike Von Fritz Heinemann II. Philo von Alexandria Weltenwende, Ende und Anfang war die Zeit, in der Philön lebte. Ende einer jahrhundertelangen dramatischen Auseinandersetzung von Griechentum und Judentum, Okzident und Orient Mit einem friedlichen Vorstoß des Hellenismus in Palästina als Teilmoment der gewaltigen von Alexander dem Großen inaugurierten griechischen Kolonisierung Asiens hebt das Drama an, steigert sich zum Versuch der zwangsweisen Hellenisierung durch Antiochus Epiphanes, erlebt seine Peripetie in den siegreichen Makkabäerkämpfen und klingt aus in einem äußerst komplizierten Prozeß der gegenseitigen friedlichen Durchdringung. Griechische Bibelübersetzungen als Propagandamittel des Judentums und andrerseits sogenannte „apokryphe", sich der heiligen Schrift anschmiegende Bücher, die notwendig mit griechischer Sprache auch griechische Vorstellungen in den jüdischen Gedankenkreis einführen, sind Ausdruck dieser letzten Phase. Abschluß aber dieses Prozesses ist der jüdische Alexandrinismus und sein Gipfelpunkt Philon, dessen äußeres Leben für uns nur noch schemenhaft zu fassen ist Wir wissen nur von ihm, daß er im dritten Jahrzehnt v. Chr. geboren und wahrscheinlich im fünften Jahrzehnt nach Chr. gestorben ist, und daß er sich an einer Gesandtschaft zum Kaiser Caligula beteiligt hat, die den Tyrannen erfolglos um Abstellung der Judenverfolgungen in Alexandria bat Anfang aber noch mehr als Ende ist seine Epoche und er selbst Ein neuer Geist und ein neues Zeitalter formt sich in ihm, ein Zeitalter, das man aus dem Blickpunkt der griechischen Geschichte Spätantike nennt, das aber von der Weltgeschichte aus gesehen die Bewegungen der nichtgriechischen 480

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