Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Staat und Erziehung
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 452 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895456-2896253--00534-2896343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Staat und Erziehung Von Friedridi Niebergall Nachdem in Nr. 3 Otto Melier als Katholik diese Frage behandelt hat, äußert sich in diesem Aufsatz ein Vertreter des Protestantismus. D. H. Je weiter sich eine Erkenntnis, die auf allgemeine Geltung Anspruch macht, von dem Bereich der Naturwissenschaften entfernt, desto mehr mengen sich subjektive Faktoren ein. Das ist schon auf dem Gebiete der GeschichtsWissenschaft der Fall. Erbliche Anlage, Familienüberlieferung, Wertschätzung, Vertrauen und zufällige Eindrücke aus der Umgebung — das sind die wichtigsten unter diesen subjektiven und irrationalen Kräften, die hier von der Auswahl der Stoffe bis in die Färbung der Darstellung hinein mehr einwirken, als unsere Meinung von unserer Sachlichkeit zugeben will. Handelt es sich um Philosophie, um Weltanschauung und Religion, dann nimmt dieses Moment noch mehr überhand. Und ganz besonders überwuchert es, wenn wir Programme und Ideale aufstellen wollen. Wir täuschen uns selbst und unsere Anhänger, wenn wir behaupten, es sei reine wissenschaftliche Arbeit, was wir da vollziehen. Es ist in der Regel wissenschaftlich umkleidetes Bekenntnis, was wir darbieten. Der Affekt kleidet sich in das Gewand des Intellektes, um desto eindrucksvoller zu sein. Freilich, wir merken solches zumeist nur an den andern, wir selbst behaupten ganz aus der Sache heraus zu sprechen. Ich bin immer objektiv, nur der andere ist ganz subjektiv. — Gibt es denn keine Korrektur für diesen Fehler? Gewiß; eine zwiefache. Einmal können wir unsere Meinung in einen größeren Rahmen systematischer Art einspannen. Dann aber können wir den noch umfassenderen einer geschichtlichen Darstellung herumlegen. Aber — auch dann kommen wir aus der Subjektivität nur scheinbar heraus. Denn sowohl die Systematik wie auch die Geschichtsdarstellung unterliegen demselben Gesetz. Immerhin — beide vermögen doch wenigstens dem 452