Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Das neue Denken
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 426 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das neue Denken Einige nachträglidie Bemerkungen zum „Stern der Erlösung" Von Franz Rosenzweig Vorbemerkung des Herausgebers. Der folgende Beitrag von Franz Rosenzweig gehört zu dem wesenhaft Neuen und geistig Enlscheidungsvollen, das zu künden eine der Aufgaben dieser Zeitschrift ist. Es mußten daher die Bedenken schweigen, die mit dem Worte „zu schwer" hin und wieder seufzend an mein Ohr gelangen. „Der Stern der Erlösung" von dem dieser Aufsatz handelt, ist eines jener seltenen Werke, die bestimmt sind, der philosophischen Arbeil einen Ruck zu geben. Nicht jeder liebt und verträgt einen solchen Ruck. Denjenigen aber, unter den Lesern dieser Zeitschrift, — und ihrer sind nicht wenige — die sich der Verantwortung für die Ewigkeitsfragen des Menschentums nicht entziehen, werden — bei einer dem Gegenstande angemessenen Aufmerksamkeit — reichen Gewinn heimbringen und mit neuen Augen den „Stern der Erlösung' betrachten. Die Schwierigkeilen im Verständnis dieses Werkes sind darin begründet, daß der Verfasser jede Polemik vermeidet, die erkennen ließe, worin das Neue und von allem Früheren Abweichende seiner denkerischen Arbeit besteht. Und doch geht, nach einem Worte Goethes, „durch jede philosophische Schrift, wenn es auch noch so wenig sichtbar würde, ein polemischer Faden". Diesen polemischen Faden macht der folgende Aufsatz sichtbar. Ich habe seinerzeit den „Stern der Erlösung" ohne Vorwort hinausgehen lassen. Mich schreckten die Spuren der üblichen Philosophenvorworte mit ihrem Gegacker nach gelegtem Ei und ihren unhöflichen Schmähungen des Lesers, der doch noch gar nichts begangen, — noch nicht einmal das Buch gelesen haben konnte. Selbst der ruhige Kant ist dieser Gefahr nicht entgangen, geschweige denn seine lauten Nachfolger bis herunter zu Schopenhauer. Die folgenden Seiten sollen nicht etwa den damals glücklich vermiedenen Fehler nachholen, wie sie denn auch niemals in den künftigen Ausgaben des Buches an seiner Spitze oder an seinem Schluß wieder abgedruckt werden 426