Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Article
- Festansprache gehalten bei der Wormser Tagung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten am 5. September 1925
- Date
- 1925-10-01
- Page
- 420 (sequence 1)
- Language
- German
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Festansprache gehalten bei der Wormser Tagung des Reidisbundes Jüdischer Frontsoldaten am 5- September 1925 von Julius Goldstein Zehntausende ehemaliger jüdischer Frontsoldaten — ohne Unterschied der politischen und religiösen Parteirichtung — haben sich zu einem Reichsbunde zusammengeschlossen „zur Abwehr aller Angriffe, die auf eine Herabsetzung ihres vaterländischen Verhaltens im Kriege gerichtet sind". Damals in den Augusttagen 1914, als es keine Parteien mehr gab, sondern nur noch Deutsche, da schlugen auch unsre Herzen im Gleichklang der Herzen aller Deutschen — nur ein Gedanke beseelte auch uns: Das Vaterland ist in Gefahr! Und als damals Tausende jüdischer Kriegsfreiwilliger zu den Fahnen eilten — ergriffen von der Schicksalsstunde des deutschen Reiches — da gesellte sich zu der Todesbereitschaft für die Heimat der weitere Gedanke: Jetzt wird auch dem Verstocktesten unserer Volksgenossen die Tat beweisen, daß unser Deutschtum ebenso echt und ebenso tief ist wie das ihre. Wir haben den Beweis erbracht — und doch ist alles anders gekommen. Ich spreche im Namen unserer Toten: Um Deutschlands willen zogen wir als deutsche Soldaten in den Kampf — und unsre Gräber in fremder Erde sollen nicht Gräber deutscher Soldaten sein? Ich spreche im Namen der Witwen und Waisen: Um Deutschlands willen gaben wir das Liebste unsres Herzens, um Deutschlands willen ist die Krone unsres Lebens, die Hoffnung unsrer Zukunft hingesunken — und Ihr vergiftet unsren Schmerz und nennt uns Fremde! 420