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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 418

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das Numinose der Hohen Feiertage
Date
1925-10-01
Page
418 (sequence 12)
Language
German
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B. Ilaliener Giustizia mosse il mio alto fattore: Fecemi la diviua potestate, La somme sapienza, e' 1 primo amore. Dinanzi a me non für cose create, Se non eterno, ed io eterno duro: Lasciate ogni speranza voi ch' entrate." „Durch mich gelangt man in die Stadt, die wehklagt, Durch mich gelangt man in das ewige Wehe, Durch mich gelangt man zum verlorenen Volke; Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer, Geschaffen hat mich Gottes mächt'ger Wille, Die höchste Weisheit und die erste Liebe. Vor mir geschaffen wurden keine Dinge, Als nur die ew'gen, und ich — ewig daur' ich: Laßt alle Hoffnung fahren, die ihr eingeht!" (übersetzt von August Kopisch) Die fascinose Wirkung des „Aeternum", von der vorhin die Rede war, erklärt sich daraus, daß der kleine Mensch in dem Augenblick, da er das Ewige ahnt, gleichsam ein Ewiges in sein Leben trägt, in das Vergängliche etwas Dauerhaftes, in das Flüchtige etwas Bleibendes. Das ist es, was dem „Lieds der Engel" dem „Haadereth w'haemunah ..." seine unbeschreibliche Wirkung gibt, jene Paradoxie: Das Gefühl der eigenen Nichtigkeit und Schwäche vor ihm, dem „haadereth w'haemunah habinah w'habrachah;,Macht und Treue und Einsicht und Segen ..." zu eigen ist, das Gefühl der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit vor ihm, dem „Chai olamim", dem „Ewiglebenden". Und doch andererseits das Empfinden, selbst ein Stück dieses Erhabenen, dieses Reinen, dieses Ewigen in sich zu tragen — dies alles klingt und schwingt zusammen, und treibt — zumal leise vom Vorbeter gesungen mit jener Melodie, in der etwas aus einer anderen Welt herüberzulönen scheint — dem Hörer die Träne unaufhaltsam in die Augen. Ein ähnliches Gefühl hat der Jude, wenn er das „Sch'ma jisrael" spricht zumal zu Neilah, der Stunde der Verklärung. Der Einzelne und die Gemeinde fühlen in dem Augenblick, da sie den Namen des Ewigen verkünden, sich selbst im Ewigen geborgen. Daher jene innere Erhabenheit, jenes religiöse Hochgefühl, mit dem der Jude am Versöhnungstage das Gotteshaus verläßt Otto hat dieses Numinose des jüdischen Gottesdienstes erfahren: hat er doch selbst ge- 4X8

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