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Der Morgen · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Article
Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus
Date
1925-10-01
Page
397 (sequence 1)
Language
German
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Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus15 Von Hans Schmidt Adolf von Harnack kommt in seinem Buche Marcion — den Empfindungen nachgehend, die seinen Helden im 2. Jahrhundert dazu geführt haben, den „dous judex" des Alten Testaments und damit dieses Buch selbst abzulehnen — zu folgendem Schluß: „Das Alte Testament im 2. Jahrhundert zu verwerfen (wie es Marcion tat) war ein Fehler, den die große Kirche mit Recht abgelehnt hat, es im 16. Jahrhundert beizubehalten, war ein Schicksal, dem sich die Reformation nicht zu entziehen vermochte, es aber seit dem 19. Jahrhundert als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren, ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung." Dieses Urteil kann sich von Marcion bis Schleiermacher auf eine lange Ahnenreihe beziehen. Um an die Reformationszeit selbst zu erinnern, so haben Luther und Melanchthon ja gegen Agrioola das Alte Testament verteidigt, aber auch für Luther ist es „der Juden Sachsenspiegel", von dem er einmal urteilt: „Leges Mosi solum Judaicum populum, in loco quem elegisset, ligabant" Daß es das Buch „des Gesetzes" ist, dem mit dem Evangelium eine von Grund aus andere Frömmigkeit, die „aus dem Glauben" gegenübertritt, das ist in der Geschichte der evangelischen Kirche immer wieder das Hauptbedenken gegen das Alte Testament gewesen, ist es auch bei Marcion und bei Harnack. Im nächsten Heft wird unter dem Titel: .Judentum und Urkirche" Universitätsprofessor Dr. theol. et phil. Engelbert Krebs (Freiburg i. B.) das Verhältnis des Katho^ Alten Testament erörtern. Der Herausgeber. 397

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