Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Jüdisch-Deutsch und Jüdisch-Spanisch
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 376 (sequence 7)
- Language
- German
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F. Perles zwogen baden, abwaschen, dermonen erinnern, onweren verlieren, f erscbolten verflucht Hauptwörter: lailach Laken, trere Träne, lefze Lippe, obscheid Abschied, seilner Soldat Eigenschaftswörter: gich schnell, hoj ch laut, nidrig leise, noh ent nahe, wol wel billig. Adverbiale Ausdrücke: nechten gestern Abend, neiert nur, ums ist umsonst Besondere Erwähnung verdienen auch die vielen deutschen Vornamen, die teilweise zu Familiennamen geworden sind, wie Wolf, Hirsch, Herz, Bär, Leib, Liebermann, Lippmann, Frumkin, Gutmann, Gutkint, Suezkint Auch die alte Anrede „Ihr" statt „Sie" hat sich bei den Juden Polens bis heute erhalten. Der deutsche Grundcharakter der Sprache ist durch die Aufnahme zahlreicher hebräischer und polnischer Lehnwörter nicht verloren gegangen, wohl aber hat dieselbe dadurch an Biegsamkeit und Ausdrucksfähigkeit gewonnen, wie man das auch an anderen Mischsprachen beobachten kann. Im Mittelalter in Deutschland war die Zahl der hebräischen Lehnwörter viel geringer als heute und beschränkte sich wohl ausschließlich auf Ausdrücke des Kultus und Ritus, für die es keine deutsche Bezeichnung gab. Im Laufe der Zeit aber dehnte sich der Kreis der Entlehnungen auf fast alle Ausdrücke des Geistes- und Gemütslebens aus, sodaß heute etwa 20 o/o aller Hauptwörter hebräischen Ursprungs sind, neben etwa 100/0 polnischen Ursprungs. Die polnischen Lehnwörter bezeichnen nur Personen, Gegenstände und Einrichtungen des alltäglichen Lebens, aber nichts, was mit dem Innenleben des Menschens zusammenhängt, als sollte damit angedeutet werden, daß es zwischen der Seele der Polen und der Juden keine Brücke gibt Charakteristisch für das Jüdisch-Deutsche ist nicht nur die große Zahl hebräischer Lehnwörter, sondern auch die vielen Neubildungen von hebräischen Stämmen mit deutscher Endung. Manchmal sind es hebräische Hauptwörter, von denen Zeitwörter gebildet werden, z. B. duchenen den Priesterlassen, wenn wir aus der vielgestaltigen Zeit nur drei Kulturkreise, den eigentlich segen sprechen (von J^rt Estrade), omern Omer zählen (von *lö"P ), szammen vergiften (von £□), pegern verenden (von *1 3.BLeiche). Viel häufiger noch werden Zeitwörter von hebräischen Verbalstämmen gebildet z.B. acheln essen, batteln annullieren, darschenen predigen, toiweln untertauchen, pattern abfertigen, schechten schlachten. Sehr verbreitet ist auch die Verbindung hebräischer Partizipien mit dem deutschen 376