Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 337 (sequence 14)
- Language
- German
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Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter eingeborene Bürgerschaft, die Höhe ihrer Steuern, die Ausweisungen und Ansiedlungsverbote, die Stellung von Portugiesen und Aschkenasi, die Einwanderung der mitteldeutschen Juden, die Streitigkeiten bei den Wahlen. Und mit einem wundervollen Pathos schildert sie die Begeisterung, die die messianische Bewegung ihrer Zeit in ihr auslöst, die Erwartungen und Hoffnungen, die sie an den neuen Messias knüpft, den Kummer, den sein Mißerfolg ihr verursacht--- In ihren einfachen, strengen, festumrissenen Linien, in ihrer starken Sicherheit, die ihre Wurzel in der Einheitlichkeit ihres Lebensstiles und in einer fast religiösen Pflichterfüllung haben, erinnern die Frauen der Ghettozeit an die biblischen Gestalten. Was ihnen zukommt, tragen sie willig als ein von Gott gesandtes Schicksal. Sie waren nicht gelehrt, nicht einmal gebildet Aber sie haben ein wundervolles Erzählertalent, das Talent der Sheherezade. Sie waren keine gefühlsmäßigen Naturen. Aber sie waren dem Manne, den man ihnen gegeben hatte, zugetan mit tiefster Hingebung und Treue. Sie gingen keine eigenen Wege. Was ihre Väter jahrhundertelang geglaubt, war ihnen heilig und unverletzlich. Aber sie haben doch ihre eigene Art, nachzudenken über die rätselhaften Dinge dieses Lebens und dem Geheimnis der unbekannten Gesetze nachzuspüren, freilich um sich dann nicht in Spekulationen und Meditationen zu verlieren, sondern um mit dem ihnen eignen praktisch gesunden Sinn das Unbegreifliche eben unbegreiflich sein zu lassen. 337