Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Max Liebermann
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 308 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wilhelm Hausenstein man von der Universalität dieses überall so scharf determinierten Meisters erst einen rechten Begriff bekommen. Es hat späterhin am Erfolg nicht gefehlt Zwar das wilhelminische Berlin: hat ihn immer boykottiert; er ist im wilhelminischen Berlin nicht einen Moment offiziell geworden; nicht zum wenigsten seiner Zone galt das üble kaiserliche (unkaiserliche) Wort von der „Rinnsteinkunst". Aber die Republik gewährte dem großen Maler eine späte Genugtuung: sie machte ihn zum Präsidenten der Berliner Akademie, indem sie das anerkannte, was er ist ... Es war vorhin davon die Rede, daß dieser Künstler aus vier Komponenten gebildet sei; die zwei, die nachzutragen sind, sollen jetzt nachgetragen werden und den Beschluß machen. Das Rassige des Künstlers, das immer als das allgemeinste Gesetz seiner Kunst und seiner souveränen Person empfunden wird, empfängt die intimere Prägung von zwei Seiten her: von dem jüdischen Element und von dem preußischen Element in Liebermann. Zwei sehr entgegengesetzte ElementeI Ja — die aber dennoch eben in ihm zusammenkommen. Der Schriftsteller Liebermann (denn dieser Maler ist auch ein vortrefflicher Schriftsteller, wie er ein idealer Meister in der klugen Kunst des Lesens ist) hat eine Schärfe, eine epigrammatische Treffsicherheit, ein intellektuelles alla prima-Malen in Worten, das (um einen gültigen Vergleich nochmals vorzuschlagen) an den Dichter der „Minna von Barnhelm" erinnert. Es ist ein nordisches Denken. Genauer gesehen ist dies epigrammatische Formulieren, das auch in der Malerei, in der Radierung vorhanden ist, eine Berliner Kunst, eine preußische Kunst Das Knappe, Augenblickliche, Kurze — es ist im guten Sinne preußisch. Auch das Disziplinierte, das Entweder — Oder. Ich möchte hinzufügen: auch die Palette Liebermanns, wenigstens die des mittleren, ist gleichsam preußisch; sie ist mit feiner Vorliebe sandfarben wie die Landschaft um Berlin. In diesem Zusammenhang darf man auch nicht vergessen, welche Rolle im Leben Liebermanns Adolf Menzel gespielt hat, der größte der eigentlich preußischen Malerzeichner, der Historiker Friedrichs des Großen. Liebermann sammelt Zeichnungen Menzels mit Leidenschaft; er erbaut sich an ihrem Fleiß, an ihrer Genauigkeit, an ihrer Wahrheit Dieser Preuße Liebermann nun ist mit einem rassigen Judentum überfangen. Er hat die glänzende Dialektik seiner Rasse, ihre souveräne Intelligenz und Beweglichkeit Viel mehr zu sagen ist in diesem Zusammenhang nicht möglich. Von hier ab 308